European Patent Office

T 0954/98 (Ablehnung wegen Besorgnis der Befangenheit) vom 09.12.1999

Europäischer Rechtsprechungsidentifikator
ECLI:EP:BA:1999:T095498.19991209
Datum der Entscheidung
9. Dezember 1999
Aktenzeichen
T 0954/98
Antrag auf Überprüfung von
-
Anmeldenummer
92113370.8
IPC-Klasse
G05B 19/05
Verfahrenssprache
Deutsch
Verteilung
An die Kammervorsitzenden und -mitglieder verteilt (B)
Amtsblattfassungen
Keine AB-Links gefunden
Weitere Entscheidungen für diese Akte
T 0954/98 2000-10-12
Zusammenfassungen für diese Entscheidung
-
Bezeichnung der Anmeldung
Informationsübertragungsverfahren zur Übertragung digitaler Informationen
Name des Antragstellers
SIEMENS AKTIENGESELLSCHAFT
Name des Einsprechenden
VIPA Gesellschaft für Visualisierung und Prozeßautomatisierung
Kammer
3.5.01
Leitsatz
-
Relevante Rechtsnormen
European Patent Convention Art 111(1) 1973European Patent Convention Art 113 1973European Patent Convention Art 131 1973European Patent Convention Art 24(3) 1973European Patent Convention R 66 1973European Patent Convention R 84 1973Rules of procedure of the Boards of Appeal Art 1Rules of procedure of the Boards of Appeal Art 12Rules of procedure of the Boards of Appeal Art 2
Schlagwörter
Beschwerdeverfahren - Befangenheit - maßgebende Kriterien bei der Beurteilung
Antrag auf Fristverlängerung - Ablehnung - Begründung nicht erforderlich
Beweislastverteilung - Amtshilfe
Orientierungssatz
I. Die Vorschriften über die Ablehnung eines Kammermitglieds wegen Befangenheit sind unter Berücksichtigung nicht nur des Grundsatzes der Unparteilichkeit des Richters, sondern auch des Grundsatzes des gesetzlichen Richters so auszulegen, daß zwar einerseits ein der Parteilichkeit verdächtigtes Kammermitglied mit der Sache nicht befaßt wird, andererseits aber verhindert wird, daß eine Partei nach ihrem Belieben und ohne einen objektiv feststellbaren Grund die Zusammensetzung einer Kammer ändern kann.
II. Rein subjektive Eindrücke oder allgemeine Verdächtigungen können nicht ausreichend sein, um den Ablehnungstatbestand zu erfüllen. Vielmehr müssen Verhaltensweisen des Kammermitglieds oder ihn betreffende Situationen vorliegen, die objektiv die Befürchtung bei den Beteiligten rechtfertigen können, das Kammermitglied sei parteiisch.
III. Basiert der Verdacht auf Parteilichkeit ausschließlich darauf, daß verfahrensinterne Maßnahmen in dem Verfahren getroffen worden sind, durch die die Verfahrensrechte der Parteien im Rahmen des vom Gesetzgeber eingeräumten Ermessens gestaltet worden sind, wobei diese Maßnahmen im Einzelfall zuungunsten einer Partei ausfallen können, so ist dieser Verdacht nicht ausreichend, um die Ablehnung zu rechtfertigen. Dies gilt auch, wenn die betroffene Partei die Maßnahmen als Ausdruck eines Vorurteils ihr gegenüber auslegt.

ENTSCHEIDUNGSFORMEL

Aus diesen Gründen wird entschieden:

Der Antrag der Beschwerdeführerin auf Ablehnung der ursprünglichen Mitglieder der Kammer wegen Besorgnis der Befangenheit (Herr P. Van den Berg, Herr S. Wibergh und Herr S. Perryman) wird zurückgewiesen.