European Patent Office

T 0039/93 (Polymerpuder) vom 14.02.1996

Europäischer Rechtsprechungsidentifikator
ECLI:EP:BA:1996:T003993.19960214
Datum der Entscheidung
14. Februar 1996
Aktenzeichen
T 0039/93
Antrag auf Überprüfung von
-
Anmeldenummer
85304517.7
IPC-Klasse
C08J 3/12
Verfahrenssprache
Englisch
Verteilung
Im Amtsblatt des EPA veröffentlicht (A)
Amtsblattfassungen
Weitere Entscheidungen für diese Akte
-
Zusammenfassungen für diese Entscheidung
-
Bezeichnung der Anmeldung
Polymer powders
Name des Antragstellers
ALLIED COLLOIDS
Name des Einsprechenden
SNF Floerger
Kammer
3.3.03
Leitsatz

1. Die neue Regel 71a EPÜ darf nicht als Aufforderung zur Einreichung neuer Beweismittel oder sonstiger Unterlagen ausgelegt werden, die vom rechtlichen und faktischen Rahmen der Fragen und Begründungen abweichen, welche im gesamten Verfahren bis zur mündlichen Verhandlung im Beschwerdeverfahren vorgebracht und substantiiert worden sind (Nr. 3.3 der Entscheidungsgründe).

2. Die ursprünglich nach Regel 27 (1) c) EPÜ in der Anmeldung oder dem angefochtenen Patent dargestellte technische Aufgabe, die als "subjektive" technische Aufgabe anzusehen ist, kann erforderlichenfalls auf der Grundlage objektiv relevanter Elemente neu formuliert werden, die vom Anmelder bzw. Patentinhaber ursprünglich nicht berücksichtigt worden waren. Diese Neuformulierung ergibt die Definition der "objektiven" technischen Aufgabe. Letztere stellt die letztlich verbleibende Aufgabe (den technischen Effekt) dar, die dem objektiven Beitrag entspricht, den der in dem entsprechenden Patentanspruch definierte Gegenstand (Merkmale) leistet (Nrn. 5.3.1, 5.3.2, 5.3.3 der Entscheidungsgründe).

3. In allgemein anerkannten Definitionen des Begriffs "Fachmann" werden dessen Eigenschaften zwar nicht immer mit denselben Formulierungen beschrieben, sie haben aber eines gemeinsam: Keine deutet an, daß er über erfinderische Fähigkeiten verfügt. Das Vorhandensein genau solcher Fähigkeiten unterscheidet den Erfinder nämlich vom sogenannten Fachmann (Nr. 7.8.4 der Entscheidungsgründe).

Schlagwörter
Erfinderische Tätigkeit (bejaht) - Kombination von physikalischen und Zusammensetzungsmerkmalen nicht mit der Lehre des Stands der Technik übereinstimmend
Aufgabe-Lösungs-Ansatz - Neuformulierung der technischen Aufgabe - objektive Aufgabe
Verspätet eingereichte Unterlagen bestätigen die früher eingereichten Beweismittel
Grenzen der Ermittlungspflicht der Beschwerdekammern
Wirkungen der Regel 71a EPÜ geprüft
Orientierungssatz
-

ENTSCHEIDUNGSFORMEL

Aus diesen Gründen wird entschieden:

1. Die Entscheidung der Einspruchsabteilung wird aufgehoben.

2. Die Angelegenheit wird an die Einspruchsabteilung mit der Anordnung zurückverwiesen, das Patent mit den der angefochtenen Entscheidung beigefügten Ansprüchen und der entsprechenden Beschreibung aufrechtzuerhalten, wobei aber die Änderungen, die auf der am 12. Januar 1996 eingereichten und als "Hauptantrag" bezeichneten Seite 12 aufgeführt sind, zu berücksichtigen sind und ggf. die Beschreibung anzupassen ist.