European Patent Office

T 0234/86 (Interferenzstromtherapie) vom 23.11.1987

Europäischer Rechtsprechungsidentifikator
ECLI:EP:BA:1987:T023486.19871123
Datum der Entscheidung
23. November 1987
Aktenzeichen
T 0234/86
Antrag auf Überprüfung von
-
Anmeldenummer
78101805.6
IPC-Klasse
A61N 1/32
Verfahrenssprache
Deutsch
Verteilung
Im Amtsblatt des EPA veröffentlicht (A)
Amtsblattfassungen
Weitere Entscheidungen für diese Akte
-
Zusammenfassungen für diese Entscheidung
-
Bezeichnung der Anmeldung
-
Name des Antragstellers
Somartec
Name des Einsprechenden
Siemens
Kammer
3.4.01
Leitsatz

1. Das Erfordernis der Regel 55 c) EPÜ "Angabe der ... Beweismittel" ist erfüllt, wenn das Beweismittel (hier: Dokument) in der Einspruchsschrift genau bezeichnet und angegeben ist welche Tatsachenbehauptung hierdurch bewiesen werden soll. Die Beweiswürdigung (hier: Feststellung, ob das Dokument vorveröffentlicht ist), ist Teil der Prüfung der sachlichen Begründetheit des Einspruchs.

2.Die Einspruchsabteilung kann, und gegebenenfalls muß, die Aufrechterhaltung des Patents aufgrund eines nachrangigen Hilfsantrags des Patentinhabers beschließen, falls der Patentinhaber einen Hauptantrag und im Rang dem stattzugebenden vorangehende Hilfsanträge, denen nicht stattgegeben werden kann, aufrechterhält, ohne deswegen gegen die Vorschriften der Artikel 102 (3) und 113 (2), sowie der Regel 58 EPÜ zu verstoßen.

3. Ist im EPÜ nicht eindeutig vorgeschrieben, wie in einer bestimmten Situation (hier: bei Vorliegen von Haupt- und Hilfsanträgen) zu verfahren ist, so kann in der Anwendung einer falschen Verfahrensweise kein die Rückzahlung der Beschwerdegebühr rechtfertigender wesentlicher Verfahrensmangel gesehen werden, solange hierzu keine gefestigte Rechtsprechung vorliegt (vgl. Entscheidung T 156/84, ABl. EPA 1988, 372, Nr. 3.13 der Entscheidungsgründe).

4. Wird ein Antrag (hier: Hilfsanträge 2.3 und 2.5) abgelehnt, ohne daß in der Entscheidung selbst oder zumindest in einem vorausgehenden Bescheid, auf den in der Entscheidung Bezug genommen ist, eine Begründung für diese Ablehnung gegeben wird (R. 68 (2) EPÜ), so ist hierin ein die Rückzahlung der Beschwerdegebühr rechtfertigender wesentlicher Verfahrensmangel zu sehen (R. 67 EPÜ).

Schlagwörter
Erfinderische Tätigkeit (ja)
Relevanter Stand der Technik: einschlägige und übergeordnete allgemeine Fachgebiete
Angabe von Beweismitteln - Beweiswürdigung
Patenterteilung aufgrund eines Hilfsantrags bei aufrechterhaltenem nichtgewährbarem Hauptantrag
Rückzahlung der Beschwerdegebühr (ja)
Wesentlicher Verfahrensmangel - Verfahrensweise nicht eindeutig vorgeschrieben
Ablehnung eines Antrags ohne Begründung
Orientierungssatz
-
Zitierte Akten
-

ENTSCHEIDUNGSFORMEL

Aus diesen Gründen wird entschieden:

1. Die angefochtene Entscheidung wird aufgehoben.

2. Die Sache wird an die erste Instanz zurückverwiesen, mit der Auflage, das Patent mit folgenden Unterlagen in geänderter Form aufrechtzuerhalten.

2.1. Patentansprüche: 1 bis 8 der Patentschrift;

2.2. Beschreibung:

Seiten 1 und 2 der Anlage zur Mitteilung nach Regel 58(4) vom 4. April 1984,

Spalte 1, Zeile 56 bis Spalte 2, Zeile 3 der Patentschrift,

Seite 3, ab Zeile 21 bis Seite 15 der Anlage zur Mitteilung vom 4. April 1984;

2.3. Zeichnungen: Figuren 1 bis 6 der Patentschrift.

3. Die Rückzahlung der Beschwerdegebühr wird angeordnet.