Digitale Technologien in der Landwirtschaft wachsen dreimal schneller als der Durchschnitt – Sicherung der Welternährung vor neuen Herausforderungen
- Lateinamerika und Asien verzeichnen stärkste Wachstumsraten im Zeitraum 2000–2022
- Bildgebungs- und Sensortechnologien, Automatisierungstools, Drohnen und künstliche Intelligenz (KI) zählen zu den globalen Trends im Smart Farming
- In Europa treiben 200 Start-ups und 125 Hochschulen die Innovation auf diesem Gebiert voran
München, 18. September 2025 – Schätzungen zufolge wird die Weltbevölkerung bis 2050 die Marke von 10 Milliarden Menschen überschreiten. Die Sicherung der Welternährung wird damit zu einer immer größeren Herausforderung. Ein neuer Bericht der Beobachtungsstelle für Patente und Technologie des Europäischen Patentamts (EPA) zeigt, wie Digitaltechnologien helfen können, diesen Bedarf auf nachhaltige Weise zu decken. Patentanmeldungen für Digitaltechnologien in der Landwirtschaft verzeichnen einen Anstieg von jährlich 9,4 % — das entspricht dem Dreifachen der durchschnittlichen Wachstumsraten über alle Technologiebereiche hinweg.
"Die Digitalisierung in der Landwirtschaft schreitet so schnell voran wie nie zuvor und verändert die Nahrungsmittelerzeugung grundlegend, während wir weltweit mit drängenden Herausforderungen konfrontiert sind", erklärt António Campinos, Präsident des EPA. "Indem wir die Forschung und Technologien an den Anforderungen der realen Welt ausrichten, die globale Zusammenarbeit stärken und sie durch ein robustes Patentsystem und den offenen Zugang zu Wissensplattformen unterstützen, können wir resiliente und gerechte Ernährungssysteme schaffen."
Weltweite Digitalisierung in der Landwirtschaft
Europa ist nach wie vor führend bei Patentanmeldungen für Digitaltechnologien in der Landwirtschaft. Diese Position wird durch ein starkes Ökosystem aus 194 Start-ups und 125 Hochschulen unterstützt, die in diesem Bereich tätig sind. Der Bericht zeigt auch ein beschleunigtes Wachstum in Asien und Lateinamerika. Bei Patentanmeldungen hat Asien 2020 Nordamerika überholt, und Lateinamerika verzeichnete für den Zeitraum von 2000 bis 2022 eine Wachstumsrate von 11 %.
Der Bericht geht insbesondere auf Lateinamerika ein. Auf Grundlage der bisherigen Produktion und der Exportleistungen im Zeitraum 2010–2020 wird geschätzt, dass bis 2050 etwa 40 bis 60 % der weltweiten Obst- und Gemüseproduktion aus Lateinamerika stammt(Weltwirtschaftsforum 2024). Die Studie beleuchtet zudem Fortschritte im Bereich der Technologien für nachhaltige Landwirtschaft in Brasilien, Chile, Kolumbien, Peru und Mexiko. Die nationalen Patentämter dieser fünf Länder haben durch Bereitstellung ihrer Analysen zu diesem Bericht beigetragen. Er zeigt, wie die Innovationssysteme in den einzelnen Ländern Digitaltechnologien in der Landwirtschaft nutzen, um die Ernährungssicherheit zu fördern, und die Entwicklung ländlicher Regionen sowie die Stärkung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen.
Technologie treibt die Transformation voran
Allgemeine Technologien wie Bildgebungs- und Sensortechniken sowie Innovationen, die es Landwirten ermöglichen, Tätigkeiten wie das Spritzen und Ernten durch Automatisierung präziser und effizienter zu erledigen, prägen die neue Digitalisierung der Landwirtschaft. Seit 2018 steigt außerdem der Einsatz von Drohnen und Künstlicher Intelligenz (KI) rasant an, beispielsweise für die Echtzeit-Überwachung oder das Erstellen vorausschauender Analyseberichte (Predictive Analytics) für den landwirtschaftlichen Betrieb.
Globale Innovationen in diesem Bereich werden zunehmend von der Industrie vorangetrieben: 88 % der Patentanmeldungen für Digitaltechnologien in der Landwirtschaft im Jahr 2022 stammten von Industrieunternehmen. Zu den führenden Innovatoren zählen weltweit agierende Hersteller landwirtschaftlicher Maschinen wie John Deere (USA), CNH Industrial (Niederlande/Vereinigtes Königreich), Claas und Amazonen Werke (beide Deutschland) sowie Kubota (Japan).
Weitere Informationen
- Vollständiger Bericht "Digitalisierung in der Landwirtschaft – für eine nachhaltige Ernährungssicherheit"
- Technologieplattform zur Digitalisierung in der Landwirtschaft (Link einfügen)
- Deep Tech Finder (DTF)
- Beobachtungsstelle für Patente und Technologie des EPA
Medienkontakte Europäisches Patentamt
Luis Berenguer Giménez
Hauptdirektor Kommunikation / EPA-Sprecher
EPA-Pressestelle
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Über das EPA
Mit 6 300 Beschäftigten ist das Europäische Patentamt (EPA) eine der größten Behörden in Europa. Das EPA, das seinen Hauptsitz in München sowie Niederlassungen in Berlin, Brüssel, Den Haag und Wien hat, wurde mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit zwischen den Staaten Europas auf dem Gebiet des Patentwesens zu stärken. Dank des zentralisierten Verfahrens vor dem EPA können Erfinderinnen und Erfinder hochwertigen Patentschutz in bis zu 46 Staaten erlangen, die zusammen einen Markt von rund 700 Millionen Menschen umfassen. Das EPA ist ferner weltweit führend in den Bereichen Patentinformation und Patentrecherche.