Verbesserung von Geschmack und Textur von Hafergetränken: Griechisch-schwedische Erfinderin als Finalistin für den Europäischen Erfinderpreis 2026 ausgewählt
- Angeliki Triantafyllou hat einen enzymatischen Prozess zur Verbesserung von Stabilität, Geschmack und Funktion von Haferdrinks entwickelt
- Der Prozess erhöht die Löslichkeit von Protein, ohne das Protein zu spalten, was stabile Produkte ermöglicht, die für Kaffee verwendet werden können
- Die griechisch-schwedische Erfinderin ist Finalistin in der Kategorie "Industrie". Die Gewinner/innen werden während der Preisverleihung am 2. Juli 2026 in Berlin bekannt gegeben
- Die öffentliche Abstimmung über den Publikumspreis startet heute und wird bis zur Preisverleihung am 2. Juli 2026 laufen
München, 12. Mai 2026 – Laktoseunverträglichkeit ist auf der ganzen Welt verbreitet: Laut einer von Science Direct veröffentlichten wissenschaftlichen Studie aus dem Jahr 2025 haben bis zu 65 % der Weltbevölkerung eine Laktoseunverträglichkeit. Der Europäischen Kommission zufolge nehmen die Menschen zudem nicht die empfohlene Menge Ballaststoffe zu sich, was ein Risikofaktor für Gesundheitsprobleme ist. Dies hat die Nachfrage nach milchfreien Alternativen verstärkt, die die Erwartungen in Bezug auf Geschmack, Textur, Gesundheit und Alltagstauglichkeit erfüllen. Frühe Hafergetränke erfüllten diese Erwartungen jedoch oft nicht, weil sie eine heterogene Konsistenz, Instabilität und schlechte Eignung für Zubereitungen wie Kaffee hatten. Die Biotechnologiewissenschaftlerin Angeliki Triantafyllou hat einen patentierten enzymatischen Prozess entwickelt, der diese Einschränkungen beseitigt und die Herstellung stabiler Hafergetränke im großen Maßstab ermöglicht. Für ihre Arbeit wurde sie von einer unabhängigen Jury als Finalist in der Kategorie "Industrie" des Europäischen Erfinderpreises 2026 ausgewählt.
Bisherige Einschränkungen von Hafergetränken überwinden
Hafer ist ein vielversprechender Rohstoff für nahrhafte und bekömmliche Alternativen zu Milcherzeugnissen. Mit den frühen Produktionsmethoden war es jedoch schwierig, Produkte zu erzeugen, die Verbraucher als echten, alltagstauglichen Ersatz für Molkereimilch betrachten. Hafergetränke hatten oft eine körnige Textur, waren manchmal bitter im Geschmack und neigten beim Erhitzen oder Lagern zu Entmischung. Eine der zentralen Anforderungen bestand darin, die Menge an löslichem Protein zu erhöhen, ohne es zu spalten: Herkömmliche Proteasen zerlegen die Proteine in kleinere Fragmente, die den Geschmack beeinträchtigen, eine unerwünschte Braunfärbung verursachen und die Stabilität bei hohen Temperaturen reduzieren.
Triantafyllou stellte sich dieser Herausforderung, als sie beim schwedischen Lebensmittelhersteller Oatly arbeitete. Gemeinsam mit ihren Kollegen entwickelte sie einen enzymatischen Prozess, der Enzyme zur Proteindesaminierung mit Amylasen kombiniert, um das Haferprotein zu lösen und Stärke zu spalten. Im Gegensatz zur Protease verändert die Desaminierung die Proteine, ohne sie zu zerlegen, sodass die Struktur erhalten bleibt und Geschmack, Farbe und Stabilität verbessert werden. Dieses patentierte Verfahren im Besitz von Oatly wurde anschließend industriell angewendet und machte Haferdrinks so populär, daß sie sich vom Nischenprodukt zu einer erfolgreichen Alternative zu Milchprodukten entwickelten, auch in der Zubereitung von Kaffees. Die so hergestellte Haferbasis hat einen höheren Gehalt an löslichem Protein, ist weißer und, bildet stabilen Schaum, wodurch sie für die Zubereitung von Kaffee geeignet ist. Indem sie die Herstellung stabiler, alltagstauglicher Hafergetränke ermöglicht, trug die Erfindung zur breiteren Akzeptanz von pflanzenbasierten Alternativen und zu nachhaltigeren Verbrauchsmustern bei, weil diese Produkte in der Regel mit einer geringeren Ressourcennutzung und einer geringeren Umweltbelastung als herkömmliche Molkereiprodukte verknüpft sind.
"Viele Jahre lang betrachtete der Markt pflanzenbasierte Getränke als ein Ersatzprodukt für Menschen mit Allergien, nicht als Alltagsprodukt für alle. Aber diese Barista-Version erfüllte ihre Aufgabe, wies gute Eigenschaften auf und schmeckte. Sie hat ein völlig neues Gebiet eröffnet. Sie bescherte all diesen pflanzenbasierten Getränken Aufmerksamkeit", sagt Triantafyllou.
Skalierung eines neuen enzymatischen Prozesses für die Lebensmittelproduktion
Die Arbeit begann in den frühen 1990er Jahren an der Universität Lund als Forschungszusammenarbeit mit dem schwedischen Bauernverband, deren Ziel darin bestand, wertbringende Verwendungen für Hafernebenprodukte zu finden. Gleichzeitig stieg in Schweden und weltweit das wissenschaftliche Interesse an Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien, was die Forschung auf dem Gebiet von Kuhmilchersatzprodukten vorantrieb. Triantafyllou schloss sich während ihrer Promotionsstudiums in Biotechnologie der Initiative an, die später zur Gründung von Oatly führte, und trug entscheidend zur Entwicklung und Optimierung des enzymatischen Prozesses bei. Der patentierte Prozess wurde anschließend im industriellen Maßstab angewendet und trug dazu bei, Hafergetränke von einem Nischenprodukt zu einer breit akzeptierten Alternative zu Molkereimilch zu machen und spezifische Produkte zu entwickeln, die sich gut für die Zubereitung von Kaffee eignen. Triantafyllou arbeitet in ihrer Firma Cerealiq AB weiter an der Entwicklung und Optimierung enzymatischer Prozesse und hat sich auf hochwertige Hafer- und gemüsebasierte Getränke spezialisiert.
"Wir leben in einer sich wandelnden Welt, mit immer mehr Menschen und immer weniger verfügbaren Ressourcen. Wir müssen unsere Lebensmittelerzeugungssysteme intelligenter und effizienter machen. Diese Erfindung zeigt, wie Wissenschaft in einem scheinbar traditionellen Gebiet wie der Lebensmittelerzeugung angewendet werden kann", erklärt Triantafyllou.
Angeliki Triantafyllou ist eine von drei Finalist(inn)en in der Kategorie "Industrie" beim Europäischen Erfinderpreis 2026. Die weiteren "Industrie"-Finalist(inn)en sind der schweizerisch-griechische Elektroingenieur Evangelos Eleftheriou und sein Team für ihre Beiträge zur digitalen Speicherung und der italienische Erfinder Giuseppe Crippa und sein Team für ihr modernes Verfahren zur Herstellung von Prüfkarten. Das Europäische Patentamt wird die Gewinnerinnen und Gewinner am 2. Juli 2026 im Rahmen einer aus Berlin per Livestream übertragenen Preisverleihung aus Berlin bekannt geben. Zusätzlich zu den vier Award-Kategorien wird es einen Publikumspreis geben, der durch eine kombinierte Abstimmung der Öffentlichkeit und der unabhängigen Jury vergeben wird. Die öffentliche Abstimmung startet am 12. Mai 2026 und wird bis zur Preisverleihung am 2. Juli 2026 laufen.
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Über den europäischen Erfinderpreis
Der Europäische Erfinderpreis ist einer der renommiertesten Innovationspreise Europas. Er wurde 2006 vom EPA ins Leben gerufen und würdigt Einzelpersonen oder Teams, die mit ihren wegweisenden Erfindungen Antworten auf einige der größten Herausforderungen unserer Zeit geben. Die Mitglieder der Jury für den Europäischen Erfinderpreis sind allesamt ehemalige Finalistinnen und Finalisten. Bei der Bewertung der Vorschläge stützt sich die unabhängige Jury auf ihre Expertise in den Bereichen Technik, Geschäftswelt und geistiges Eigentum. Alle Erfinder/innen müssen ein europäisches Patent für ihre Erfindung erhalten haben. Hier erfahren sie mehr über die verschiedenen Kategorien, Preise, Auswahlkriterien und den Livestream der Preisverleihung am 2. Juli in Berlin.
Über das EPA
Mit 6 300 Beschäftigten ist das Europäische Patentamt (EPA) eine der größten Behörden in Europa. Das EPA, das seinen Hauptsitz in München sowie Niederlassungen in Berlin, Brüssel, Den Haag und Wien hat, wurde mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit zwischen den Staaten Europas auf dem Gebiet des Patentwesens zu stärken. Dank des zentralisierten Verfahrens vor dem EPA können Erfinderinnen und Erfinder hochwertigen Patentschutz in bis zu 46 Staaten erlangen, die zusammen einen Markt von rund 700 Millionen Menschen umfassen. Das EPA ist ferner weltweit führend in den Bereichen Patentinformation und Patentrecherche.