Erneuerbarer Strom durch umgeleitetes Wasser: Amerikanisch-deutsches Erfinderduo als Finalisten für den Europäischen Erfinderpreis 2026 benannt

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  • Mit dem Verfahren kann bestehende Wasserinfrastruktur zur Erzeugung von elektrischem Strom genutzt werden
  • Die Erfinder sind Finalisten in der Kategorie "Nicht-EPO-Staaten". Die Gewinner/innen werden während der Preisverleihung am 2. Juli 2026 in Berlin bekannt gegeben
  • Die öffentliche Abstimmung über den Publikumspreis startet heute und wird bis zur Preisverleihung am 2. Juli 2026 laufen

München, 12. Mai 2026 – Wasserkraft ist weltweit die größte Quelle erneuerbarer Energie. Laut der Internationalen Energieagentur wird mittels Wasserkraft beinahe so viel Energie erzeugt wie durch alle anderen erneuerbaren Quellen zusammen. Dennoch bleibt weltweit ein riesiges Potenzial an Wasserkraft ungenutzt, obwohl es wirtschaftlich sinnvoll ist. Emily Morris und Professor Thorsten Stoesser haben eine dezentrale Wasserkraftanlage entwickelt, die den Wasserfluss durch in Kanälen und Wasserwegen installierte Turbinen verstärkt.

Durch Nutzung vorhandener Wasserinfrastrukturen ermöglicht das System die Erzeugung von erneuerbarem Strom an bisher ungenutzten Orten, an denen herkömmliche Wasserkraftanlagen normalerweise wirtschaftlich nicht tragbar wären. Für ihre Arbeit wurde das Erfinderduo von einer unabhängigen Jury als Finalist in der Kategorie "Nicht-EPO-Staaten" des Europäischen Erfinderpreises 2026 ausgewählt.

Neuer Ansatz für kanalbasierte Wasserkraft

Herkömmliche Wasserkraftanlagen gibt es in den verschiedensten Größen, von großen Wasserkraftwerken mit Staudamm, die eine riesige Infrastruktur benötigen, bis hin zu kleinen Mikro-Wasserkraftwerken, die in der Regel die natürliche Wasserströmung ausnutzen. In vielen dieser kleineren Systeme strömt das Wasser an den Turbinen vorbei oder fließt mit suboptimaler Geschwindigkeit durch sie hindurch, was die Stromerzeugung einschränkt.

Die von Morris und Stoesser entwickelte Lösung nutzt einen neuen Ansatz einer dezentralen Wasserkraftanlage: Das modulare System erzeugt Strom direkt in vorhandenen Kanälen. Kernstück des Konzepts ist eine "Hydro-Transition Unit", die den Wasserstrom lenkt und einengt, sodass mehr Wasser mit größerer Geschwindigkeit durch die Turbinen strömt. Mit diesem gesteuerten Wasserstrom kann in flachen, langsam strömenden Wasserwegen eine größere Menge Energie erzeugt werden.

Das System besteht aus paarweise angeordneten, gegenläufigen Darrieus-Rotoren an einer Vertikalachse – eine Konfiguration, die auch für flache Kanäle und variable Wasserstände geeignet ist. Jedes Modul erzeugt in der Regel 5–25 kW. Das modulare Prinzip ermöglicht die schrittweise Vergrößerung des Systems im Laufe der Zeit und inkrementelle Installationen entlang eines langen Wasserkanals. Standardisierte Turbinenbauteile, modulare Rinnen und die Montage nach dem Kassettenprinzip ermöglichen ein schnelles Ein- und Ausbauen der Module zur Wartung ohne Unterbrechung des Wasserflusses.

"Was als kleines wissenschaftliches Projekt mit einer einzelnen Rinne und einer Handvoll Studenten begann, ist zu einer Technologie ausgereift, die in echten Kanälen zum Einsatz kommt. Für einen Forscher gibt es nichts Schöneres, als zu sehen, wie die im Labor entwickelten Ideen in der echten Welt Wirkung zeigen", sagt Thorsten Stoesser.

Wissenschaftliche Forschung und Unternehmergeist gehen Hand in Hand

Der Ursprung der Technologie geht auf 2008 zurück, als Stoesser, damals wissenschaftlicher Mitarbeiter am Georgia Institute of Technology, begann, in einer Wasserrutsche hydrokinetische Vorrichtungen zu testen, nachdem Pfadfinderinnen der Girl Scouts of Georgia ihn nach Möglichkeiten gefragt hatten, mit Gezeitenströmung Strom für ihr Lager zu generieren. Ungefähr zur gleichen Zeit arbeitete Morris bei AMT, Inc. an Antriebsstrangtechnologien für die Schifffahrt. Als dieses Projekt in eine andere Richtung gelenkt wurde, erkannte sie das Potenzial, ähnliche Ingenieurkonzepte auf die Stromerzeugung durch Wasserkraft aus flachen Gewässern zu übertragen.

"Als junge Frau in der Wasserkraft- und Energiebranche war ich oft die einzige weibliche Person im Raum. Statt das als Hürde zu betrachten, habe ich es als Vorteil wahrgenommen. Wenn du eine andere Perspektive einbringst, merken das die Leute und oft freuen sie sich, bei der Zusammenarbeit neue Arbeitsweisen zu erkunden", erklärte Emily Morris.

2014 gründete Morris in Atlanta Emrgy, um die Technologie zu vermarkten. Sie vereinte Stoessers Forschung im Bereich der Hydrodynamik mit einem modularen, skalierbaren Ingenieursansatz. Dank einer Partnerschaft mit der Stadt Atlanta konnte das System in realer Größe in einer Abwasseraufbereitungsanlage getestet und das Konzept der "Hydro-Transition Unit" weiter verfeinert werden. Diese frühe Vorführanlage führte zu weiteren Projekten der Zusammenarbeit, unter anderem mit Denver Water, und zur Unterstützung durch das Energieministerium der Vereinigten Staaten.

Emrgy hat inzwischen Vereinbarungen mit 48 Wasser- und Bewässerungsverbänden, die Zugang zu rund 19 000 km an Kanalinfrastruktur in den USA bereitstellen und die schrittweise Inbetriebnahme dezentraler Wasserkraftanlagen entlang bestehender Wasserwege ermöglichen.

Das Erfinderduo Emily Morris und Thorsten Stoesser ist einer von drei Finalist(inn)en in der Kategorie "Nicht-EPO-Staaten" beim Europäischen Erfinderpreis 2026. Die weiteren Finalist(inn)en in dieser Kategorie sind der Agraringenieur Aníbal Montalva Rodríguez und der Architekt Miguel Ángel Fernández Donoso, die einen lebenden Biofilter entwickelt haben, der die Luftverschmutzung durch Feinstaub um über 90 % reduzieren kann, sowie die chinesischen Erfinder Yu Haijun und Xie Yinghao für ihre patentierte Methode zur Zurückgewinnung von Hochleistungsmaterialien aus verschiedenen Arten von Lithium-Ionen-Altbatterien. Das Europäische Patentamt wird die Gewinnerinnen und Gewinner am 2. Juli 2026 im Rahmen einer aus Berlin per Livestream übertragenen Preisverleihung bekannt geben. Zusätzlich zu den vier Award-Kategorien wird es einen Publikumspreis geben, der durch eine kombinierte Abstimmung der Öffentlichkeit und der unabhängigen Jury vergeben wird. Die öffentliche Abstimmung startet am 12. Mai 2026 und wird bis zur Preisverleihung am 2. Juli 2026 laufen.

Weitere Informationen über die Technologien, ihre Auswirkungen und die Erfinderinnen und Erfinder finden Sie hier.

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Über den europäischen Erfinderpreis

Der Europäische Erfinderpreis ist einer der renommiertesten Innovationspreise Europas. Er wurde 2006 vom EPA ins Leben gerufen und würdigt Einzelpersonen oder Teams, die mit ihren wegweisenden Erfindungen Antworten auf einige der größten Herausforderungen unserer Zeit geben. Die Mitglieder der Jury für den Europäischen Erfinderpreis sind allesamt ehemalige Finalistinnen und Finalisten. Bei der Bewertung der Vorschläge stützt sich die unabhängige Jury auf ihre Expertise in den Bereichen Technik, Geschäftswelt und geistiges Eigentum. Alle Erfinder/innen müssen ein europäisches Patent für ihre Erfindung erhalten haben. Hier erfahren sie mehr über die verschiedenen Kategorien, Preise, Auswahlkriterien und den Livestream der Preisverleihung am 2. Juli in Berlin.

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