Der französische Erfinder Franck Zal gewinnt den Europäischen Erfinderpreis 2026 für eine von Meereswürmern inspirierte Technologie zur Organkonservierung

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Pressemitteilungen
  • Franck Zal erhält den Europäischen Erfinderpreis 2026 in der Kategorie „KMU“ für die Entwicklung eines universellen Sauerstoffträgers, der aus Meereswürmern gewonnen wird
  • Seine Technologie trägt dazu bei, Organe und Gewebe durch Sauerstoffzufuhr während der Lagerung und des Transports zu konservieren
  • Die Erfindung wird bereits in der Transplantationsmedizin eingesetzt und derzeit auf ihre Anwendungsmöglichkeiten in der regenerativen Medizin, der Wundheilung und der Zellkultur untersucht.
  • Die Auszeichnung wurde heute im Rahmen der Verleihung des Europäischen Erfinderpreises 2026 in Berlin überreicht

München, 2. Juli 2026 – Das Europäische Patentamt (EPA) hat den französischen Biologen und Unternehmer Franck Zal heute für die Entwicklung eines universellen Sauerstoffträgers, der aus dem Wattwurm Arenicola Marina gewonnen wird, mit dem Europäischen Erfinderpreis 2026 in der Kategorie „KMU“ ausgezeichnet. Nach Angaben des Global Observatory on Donation and Transplantation von WHO und ONT wurden im Jahr 2024 weltweit mehr als 170 000 Organe transplantiert. Dabei stellt jedoch die Konservierung von Organen außerhalb des Körpers nach wie vor eine der größten Herausforderungen in der Transplantationsmedizin dar, da Sauerstoffmangel das Gewebe in kurzer Zeit bereits vor der Operation schädigen kann. Die Erfindung von Zal trägt zur Bewältigung dieser Herausforderung bei, indem sie während der Lagerung und des Transports der Organe Sauerstoff zuführt, wodurch die Konservierungszeiten verlängert und erfolgreiche Transplantationsverfahren unterstützt werden.

Der Europäische Erfinderpreis würdigt Erfinderinnen und Erfinder, deren Innovationen Lösungen für einige der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit bieten. Die weiteren Finalisten in der Kategorie „KMU“ waren Jan Čmelík und sein Team aus der Tschechischen Republik für die Weiterentwicklung der nadelfreien Elektrospinn-Technologie für die zuverlässige Nanofaserproduktion im industriellen Maßstab sowie Przemek Ben Paczek und sein polnisches Team für ein Magnetschwebesystem, das für die Nachrüstung bestehender Eisenbahninfrastruktur konzipiert wurde. Zals Arbeit hat eine in der Natur vorkommende biologische Anpassung in eine medizinische Technologie verwandelt, die heute bei Transplantationen und anderen Gesundheitsanwendungen zum Einsatz kommt. 

„Diese Auszeichnung ist nicht nur eine Würdigung meiner Arbeit oder der von den Teams bei Hemarina, sondern auch der entscheidenden Rolle der Grundlagenforschung als Motor für Innovation. Sie erinnert uns daran, dass Investitionen in Wissenschaft, Wissen und langfristige Forschung zu den wirksamsten Mitteln gehören, um die größten gesellschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen“, sagt Zal.

Von der Natur inspirierte Sauerstoffzufuhr

Bei der Organtransplantation besteht eine der größten Herausforderungen darin, die Sauerstoffversorgung der Organe außerhalb des Körpers aufrechtzuerhalten. Ohne Sauerstoff beginnt das Gewebe zu zerfallen, was die für Transport und Transplantation zur Verfügung stehende Zeit einschränkt. 

Zals Lösung basiert auf dem Hämoglobin des Wattwurms, einer Spezies, die bei Ebbe längere Zeit ohne Sauerstoff überleben kann. Er entwickelte ein Verfahren zur Isolierung und Reinigung dieses Moleküls und schuf damit die M101-Plattform, einen universellen Sauerstoffträger, der unabhängig von der Blutgruppe funktioniert und keine Immunreaktionen auslöst. 

„Die Natur ist nach wie vor das größte Labor der Erde, und einige ihrer wertvollsten Lösungen warten noch darauf, entdeckt zu werden. Sie umfasst eine riesige Bibliothek mit 3,8 Milliarden Jahren Innovation, und wir müssen lernen, ihre Bücher zu lesen. Wie Leonardo da Vinci in seinem Codex Atlanticus sagte, müssen wir die Natur genau unter die Lupe nehmen. Dort erwartet uns unsere Zukunft“, meint Zal.

Heute kommt die Technologie in HEMO2life® zum Einsatz, einem CE-gekennzeichneten Produkt zur Organkonservierung. Zudem werden weitere Anwendungsmöglichkeiten in der regenerativen Medizin, der Wundheilung und in Zellkultursystemen untersucht. 

Entwicklung eines neuen Ansatzes für die Organkonservierung

Zals wissenschaftliche Laufbahn begann mit der Erforschung von Meeresorganismen, die in extremen Umgebungen leben. Beim Studium des Wattwurms entdeckte er Eigenschaften, die darauf hindeuteten, dass dessen Hämoglobin wichtige Anwendungsmöglichkeiten in der Medizin aufweisen könnte. Überzeugt von diesem Potenzial gründete er 2007 das Unternehmen Hemarina, um diese Entdeckung in praktische Lösungen für das Gesundheitswesen überführen. 

Um eine zuverlässige und nachhaltige Versorgung mit dem biologischen Material sicherzustellen, hat Hemarina im französischen Noirmoutier eine eigene Aquakulturanlage errichtet. Seitdem hat das Unternehmen ein umfangreiches Portfolio an geistigem Eigentum aufgebaut, das die Technologie schützt und deren kommerzielle Entwicklung unterstützt. 

Heute kommt die Erfindung in einer wachsenden Zahl medizinischer Anwendungsbereiche zum Einsatz und hat zur Weiterentwicklung in der Organkonservierung beigetragen – ein Bereich, der angesichts der weltweiten Ausweitung von Transplantationsprogrammen zunehmend an Bedeutung gewinnt. 

Alle Preisträger des Europäischen Erfinderpreises 2026 wurden heute im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung in Berlin bekannt gegeben. Die Zeremonie können Sie hier online verfolgen. Weitere Informationen zu den Auswirkungen der Erfindung, der Technologie und der Geschichte des Erfinders finden Sie hier.

Medienkontakte Europäisches Patentamt

Roberta Romano-Götsch
EPA-Sprecherin

EPA-Pressestelle
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Tel.: +49 89 2399-1833

Über den europäischen Erfinderpreis 

Der Europäische Erfinderpreis ist einer der renommiertesten Innovationspreise Europas. Er wurde 2006 vom EPA ins Leben gerufen und würdigt Einzelpersonen oder Teams, die mit ihren wegweisenden Erfindungen Antworten auf einige der größten Herausforderungen unserer Zeit geben. Die Mitglieder der Jury für den Europäischen Erfinderpreis sind allesamt ehemalige Finalistinnen und Finalisten. Bei der Bewertung der Vorschläge stützt sich die unabhängige Jury auf ihre Expertise in den Bereichen Technik, Geschäftswelt und geistiges Eigentum.  Alle Erfinder/innen müssen ein europäisches Patent für ihre Erfindung erhalten haben. Hier erfahren sie mehr über die verschiedenen Kategorien, Preise, Auswahlkriterien und den Livestream der Preisverleihung am 2. Juli in Berlin.    

Über das EPA 

Mit 6 300 Beschäftigten ist das Europäische Patentamt (EPA) eine der größten Behörden in Europa. Das EPA, das seinen Hauptsitz in München sowie Niederlassungen in Berlin, Brüssel, Den Haag und Wien hat, wurde mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit zwischen den Staaten Europas auf dem Gebiet des Patentwesens zu stärken. Dank des zentralisierten Verfahrens vor dem EPA können Erfinderinnen und Erfinder hochwertigen Patentschutz in bis zu 46 Staaten erlangen, die zusammen einen Markt von mehr als 715 Millionen Menschen umfassen. Das EPA ist ferner weltweit führend in den Bereichen Patentinformation und Patentrecherche.