Europäischer Erfinderpreis 2026: Chinesische Erfinder Yu Haijun und Xie Yinghao doppelt ausgezeichnet für intelligentes Batterierecycling

 in 
Pressemitteilungen
  • Yu Haijun, Xie Yinghao und ihr Team erhalten den Europäischen Erfinderpreis 2026 in der Kategorie „Nicht-EPA-Länder“ sowie den Publikumspreis für die Entwicklung eines Verfahrens, mit dem ausgediente Lithium-Ionen-Batterien in hochwertige Kathodenmaterialien umgewandelt werden
  • Mit ihrer Technologie erzielen sie Rückgewinnungsraten von 99,6 % für Nickel, Kobalt und Mangan sowie von 96,5 % für Lithium und senken dabei den Verbrauch von Säuren und Laugen um 73 %
  • Bei diesem Verfahren entstehen Materialien in Batteriequalität, deren CO₂-Bilanz um 61 % geringer ist als bei herkömmlichen Herstellungsverfahren
  • Die Auszeichnung wurde heute im Rahmen der Verleihung des Europäischen Erfinderpreises 2026 in Berlin überreicht

München, 2. Juli 2026 – Das Europäische Patentamt (EPA) hat heute den chinesischen Erfindern Yu Haijun, Xie Yinghao und ihrem Team den Europäischen Erfinderpreis 2026 in der Kategorie „Nicht-EPA-Länder“ für die Entwicklung eines intelligenten Batterierecyclingverfahrens verliehen. Damit können aus ausgedienten Lithium-Ionen-Batterien hochwertige Kathodenmaterialien zurückgewonnen werden. Das Duo gewann außerdem den Publikumspreis, zusammengesetzt aus einer öffentlichen Abstimmung und einem Jury-Entscheid. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wurde zwischen 2018 und 2023 weltweit eine zusätzliche Lithium-Ionen-Batteriekapazität von mehr als 2 000 GWh generiert, die rund 40 Millionen Elektrofahrzeuge und Tausende von Batteriespeicherprojekten mit Strom versorgt. Mit der steigenden Nachfrage nach Batterien wächst auch der Bedarf an der Rückgewinnung kritischer Rohstoffe wie Lithium, Nickel und Kobalt. Die Technologie der Erfinder ermöglicht es, ausgediente Lithium-Ionen-Batterien direkt in leistungsstarke Kathodenmaterialien zur Wiederverwendung in neuen Batterien umzuwandeln. Dadurch werden Abfälle, Ressourcenverbrauch und CO₂-Emissionen reduziert.

Mit dem Europäischen Erfinderpreis werden Erfinder gewürdigt, deren Innovationen Lösungen für einige der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit bieten. Die weiteren Finalisten in der Kategorie „Nicht-EPA-Länder“ waren Aníbal Montalva Rodríguez und Miguel Ángel Fernández Donoso für ein pflanzenbasiertes Luftfiltersystem sowie Emily Morris und Thorsten Stoesser mit ihrem Team für eine Wasserkrafttechnologie, die Wasser aktiv zu Turbinen leitet. 

„Es ist eine große Ehre für unser Team, für unsere intelligente Batterierecycling-Technologie den Europäischen Erfinderpreis 2026 in der Kategorie ‚Nicht-EPA-Länder‘ zu gewinnen. Unsere Technologie ermöglicht die direkte Rückgewinnung von Kathodenmaterialien aus Altbatterien und senkt so den Mineralienverbrauch und die CO₂-Emissionen drastisch. Dieser Durchbruch ist das Ergebnis von zwei Jahrzehnten engagierter Forschung im Bereich der Kreislaufwirtschaft. Die Anerkennung gebührt unserem gesamten Forschungs- und Entwicklungsteam sowie all jenen, die sich für die globale Agenda für Umweltfreundlichkeit und CO₂-Reduzierung einsetzen. Auch in Zukunft werden wir die Batterie-Kreislaufwirtschaft weiter vorantreiben, die technische Zusammenarbeit zwischen China und Europa bei den Neuen Energien stärken und gemeinsam an einer nachhaltigen Energiezukunft arbeiten“, sagt Yu Haijun.

Ein intelligenterer Weg zum Batterierecycling

Lithium-Nickel-Kobalt-Mangan-Oxid (NCM) ist ein Schlüsselmaterial für E-Auto-Batterien. Herkömmliche Recyclingverfahren basieren oft auf langwierigen, chemieintensiven Prozessen, bei denen große Mengen an Wasser, Säuren, Laugen und Energie verbraucht werden. Das Brunp-Team entwickelte einen selektiveren Ansatz, das „gezielte Recycling“: Dabei werden Altbatterien direkt in NCM-Kathodenmaterial in Batteriequalität umgewandelt, wobei die funktionale Struktur der Materialien erhalten bleibt. 

Nach Angaben des Unternehmens werden bei diesem Verfahren 99,6 % des Nickels, Kobalts und Mangans sowie 96,5 % des Lithiums zurückgewonnen. Zudem senkt es den Verbrauch von Säuren und Laugen um 73 %, verkürzt die Verarbeitungsschritte um mehr als 18 % und verringert den CO₂-Fußabdruck der regenerierten Kathodenmaterialien um 61 % im Vergleich zu herkömmlichen Produktionsverfahren.

Aufbau einer Batterie-Kreislaufwirtschaft

Die Anfänge dieser Technologie reichen bis in die frühen 2000er Jahre zurück, als das Team die wachsende Herausforderung der Entsorgung von Altbatterien und Chinas Abhängigkeit von importierten Rohstoffen erkannte. Als Forscher bei Brunp Recycling arbeitete Yu Haijun daran, ausgediente Batterien in wertvolle Ressourcen umzuwandeln. Später entwickelte Yu Haijun die Konzepte des „Reverse Product Positioning Design“ (RPPD) und der „Directed Recycling Technologies“ (DRT), während Xie Yinghao dazu beitrug, die Technologie von der Laborentwicklung zum industriellen Einsatz voranzubringen. 

Ein wichtiger Meilenstein kam 2015 hinzu, als Brunp Teil des CATL-Ökosystems wurde, was es dem Team ermöglichte, seine Recyclingtechnologien auf globale Batterie-Lieferketten auszuweiten. Heute hat sich Brunp zu einem weltweit führenden Unternehmen in den Bereichen Recycling von Altbatterien und regenerierte ternäre Kathodenmaterialien entwickelt. Die Recyclinglösungen des Unternehmens unterstützen große Automobilhersteller und tragen zur Stärkung einer kreislauforientierten Batterieindustrie bei.

Alle Preisträger des Europäischen Erfinderpreises 2026 wurden heute im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung in Berlin bekannt gegeben. Die Zeremonie können Sie hier online verfolgen. Weitere Informationen zu den Auswirkungen der Erfindung, der Technologie und der Geschichte der Erfinderin finden Sie hier.

Medienkontakte Europäisches Patentamt

Roberta Romano-Götsch
EPA-Sprecherin

EPA-Pressestelle
[email protected]
Tel.: +49 89 2399-1833

Über den europäischen Erfinderpreis 

Der Europäische Erfinderpreis ist einer der renommiertesten Innovationspreise Europas. Er wurde 2006 vom EPA ins Leben gerufen und würdigt Einzelpersonen oder Teams, die mit ihren wegweisenden Erfindungen Antworten auf einige der größten Herausforderungen unserer Zeit geben. Die Mitglieder der Jury für den Europäischen Erfinderpreis sind allesamt ehemalige Finalistinnen und Finalisten. Bei der Bewertung der Vorschläge stützt sich die unabhängige Jury auf ihre Expertise in den Bereichen Technik, Geschäftswelt und geistiges Eigentum. Alle Erfinder/innen müssen ein europäisches Patent für ihre Erfindung erhalten haben. Hier erfahren sie mehr über die verschiedenen Kategorien, Preise, Auswahlkriterien und den Livestream der Preisverleihung am 2. Juli in Berlin.

Über das EPA 

Mit 6 300 Beschäftigten ist das Europäische Patentamt (EPA) eine der größten Behörden in Europa. Das EPA, das seinen Hauptsitz in München sowie Niederlassungen in Berlin, Brüssel, Den Haag und Wien hat, wurde mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit zwischen den Staaten Europas auf dem Gebiet des Patentwesens zu stärken. Dank des zentralisierten Verfahrens vor dem EPA können Erfinderinnen und Erfinder hochwertigen Patentschutz in bis zu 46 Staaten erlangen, die zusammen einen Markt von mehr als 715 Millionen Menschen umfassen. Das EPA ist ferner weltweit führend in den Bereichen Patentinformation und Patentrecherche.