Gezielte Bekämpfung von Krebszellen: Portugiesische Forscherin als Finalistin für den Europäischen Erfinderpreis 2026 ausgewählt

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Pressemitteilungen
  • Paula Videira und ihr Team haben L2A5 entwickelt, einen spezifischen Antikörper, der Krebszellen von gesundem Gewebe unterscheidet
  • Die Erfindung ermöglicht eine bisher unerreichte Präzision und eröffnet neue Möglichkeiten der Diagnose und Therapie von Krebs
  • Das portugiesische Team gehört zu den drei Finalisten in der Kategorie "Forschung". Die Gewinner/innen werden während der Preisverleihung am 2. Juli 2026 in Berlin bekannt gegeben
  • Die öffentliche Abstimmung über den Publikumspreis startet heute und wird bis zur Preisverleihung am 2. Juli 2026 laufen

München, 12. Mai 2026 – Die mangelnde Fähigkeit, Krebszellen von gesundem Gewebe zu unterscheiden, bleibt eine der größten Schwierigkeiten in der Onkologie und schränkt die Wirksamkeit sowohl bei der Diagnose als auch bei der Behandlung ein. Die Biotechnologieforscherin Paula Videira, ordentliche Professorin an der Fakultät für Wissenschaften und Technologie der Neuen Universität Lissabon (NOVA FCT) und Direktorin der UCIBIO-Forschungseinheit, hat zusammen mit Ihrem Team L2A5 entwickelt. Dies ist ein hochspezifischer Antikörper, der molekulare Signaturen erkennt, die in Krebszellen vorhanden sind, in gesundem Gewebe aber fehlen oder nicht zugänglich sind. Die Antikörper greifen Tumor-assoziierte Zuckermoleküle gezielt und mit bisher unerreichter Präzision an, was neue Möglichkeiten für selektivere Diagnose- und Therapieverfahren in der Krebsbekämpfung eröffnet. Für ihre Arbeit wurde Videira mit ihrem Team von einer unabhängigen Jury als Finalistin in der Kategorie "Forschung" des Europäischen Erfinderpreises 2026 ausgewählt.

Krebszellen von gesundem Gewebe unterscheiden

Krebs ist in Europa weiterhin eine der größten Herausforderungen der Gesundheitssysteme. Angaben der Europäischen Kommission zufolge gab es in der EU 2024 schätzungsweise 2,7 Millionen neue Fälle von Krebserkrankungen, was Krebs zur zweithäufigsten Todesursache insgesamt und für Personen über 65 Jahre sogar zur häufigsten Todesursache macht.

Eine der größten Schwierigkeiten bei der Diagnose und Behandlung von Krebs ist es, molekulare Merkmale zu identifizieren, durch die sich Krebszellen klar von gesundem Gewebe unterscheiden. Tumorzellen zeigen an ihrer Oberfläche oft veränderte Zuckermoleküle, sogenannte Glykane. Diese Glykane können zwar als Erkrankungsmarker dienen, aber auch gesundes Gewebe kann ähnliche Strukturen aufweisen. Deshalb ist es extrem schwierig, Tumorzellen gezielt zu bekämpfen, ohne dabei auch gesundes Gewebe zu beschädigen.

Das Team um Videira hat nun mit L2A5 einen Antikörper entwickelt, der Tumor-assoziierte Glykane erkennt, die eine bestimmte Konfiguration aufweisen, wie sie nur in Krebszellen vorkommt, in gesundem Gewebe hingegen nicht vorhanden oder zugänglich ist. Dank dieser molekularen Selektivität bindet der Antikörper sich nur an bösartige Tumorzellen und greift kein gesundes Gewebe an – mit einer bisher unerreichten Präzision.

"Es gab nicht den einen ’Heureka’-Moment. Vielmehr waren es viele kleine Schritte und mit jedem Experiment wuchs unsere Zuversicht. Aber als wir beobachteten, wie sich unser Antikörper an Tumorgewebe bindet, nicht aber an gesundes Gewebe, wurde uns klar, welches therapeutische Potenzial unsere Erfindung birgt", sagt Videira.

Langfristige Krebsforschung

Die Forschung hinter L2A5 wurde durch langfristige wissenschaftliche Untersuchungen im Bereich der Tumor-assoziierten Glykobiologie gestützt, einem Gebiet, das für seine Komplexität und hohe Misserfolgsquote bekannt ist. Die Fortschritte erforderten jahrelange Experimente, Optimierungen und Validierungen, oft mit ungewissem Ergebnis.

Videira und ihr Team trotzten diesen Schwierigkeiten, indem sie Grundlagenforschung mit einer klaren Vision für medizinische Anwendungen kombinierten. Dafür gingen sie Partnerschaften mit der Neuen Universität Lissabon, dem Portugiesischen Francisco-Gentil-Institut für Onkologie und dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf ein. Das Ergebnis ist ein patentierter Antikörper, der großes Potenzial für die Anwendung in der Krebsdiagnostik und als Grundlage gezielter Therapien aufweist, darunter auch Chemoimmunkonjugate.

"Unsere Arbeit hat sich nie auf eine einzige Disziplin beschränkt. Bei der Forschungsarbeit kamen immer wieder Zweifel auf. Aber wenn Du Dich mit anderen über Deine Ideen austauschst, entsteht eine kollektive Energie. Wir haben uns gegenseitig angetrieben", erzählt Videira. "Starke Teams beruhen nicht nur auf den einzelnen Menschen, sondern auch auf Institutionen. Und der Zugang zu einer fördernden Umgebung kann einen langfristigen Unterschied machen."

Paula Videira ist mit ihrem Team eine von drei Finalist(inn)en in der Kategorie "Forschung" beim Europäischen Erfinderpreis 2026. Die weiteren Finalist(inn)en in dieser Kategorie sind der finnische Physiker Professor Mikko Möttönen, der einen hochempfindlichen kryogenen Mikrowellensensor zur Diagnose von Interferenzen in Quantencomputern entwickelt hat, und der irisch-britische Wissenschaftler Sir Adrian Hill für die Erfindung eines hocheffektiven Malaria-Impfstoffs. Das Europäische Patentamt wird die Gewinnerinnen und Gewinner am 2. Juli 2026 im Rahmen einer aus Berlin per Livestream übertragenen Preisverleihung bekannt geben. Zusätzlich zu den vier Award-Kategorien wird es einen Publikumspreis geben, der durch eine kombinierte Abstimmung der Öffentlichkeit und einer unabhängigen Jury vergeben wird. Die öffentliche Abstimmung startet am 12. Mai 2026 und wird bis zur Preisverleihung am 2. Juli 2026 laufen.

Weitere Informationen über die Technologien, ihre Auswirkungen und die Erfinderinnen und Erfinder finden Sie hier.

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Über den europäischen Erfinderpreis

Der Europäische Erfinderpreis ist einer der renommiertesten Innovationspreise Europas. Er wurde 2006 vom EPA ins Leben gerufen und würdigt Einzelpersonen oder Teams, die mit ihren wegweisenden Erfindungen Antworten auf einige der größten Herausforderungen unserer Zeit geben. Die Mitglieder der Jury für den Europäischen Erfinderpreis sind allesamt ehemalige Finalistinnen und Finalisten. Bei der Bewertung der Vorschläge stützt sich die unabhängige Jury auf ihre Expertise in den Bereichen Technik, Geschäftswelt und geistiges Eigentum. Alle Erfinder/innen müssen ein europäisches Patent für ihre Erfindung erhalten haben. Hier erfahren sie mehr über die verschiedenen Kategorien, Preise, Auswahlkriterien und den Livestream der Preisverleihung am 2. Juli in Berlin.

Über das EPA

Mit 6 300 Beschäftigten ist das Europäische Patentamt (EPA) eine der größten Behörden in Europa. Das EPA, das seinen Hauptsitz in München sowie Niederlassungen in Berlin, Brüssel, Den Haag und Wien hat, wurde mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit zwischen den Staaten Europas auf dem Gebiet des Patentwesens zu stärken. Dank des zentralisierten Verfahrens vor dem EPA können Erfinderinnen und Erfinder hochwertigen Patentschutz in bis zu 46 Staaten erlangen, die zusammen einen Markt von rund 700 Millionen Menschen umfassen. Das EPA ist ferner weltweit führend in den Bereichen Patentinformation und Patentrecherche.