Sicherung der europäischen Halbleiter-Lieferkette: Italienische Erfinder als Finalisten des Europäischen Erfinderpreises 2026 ausgewählt

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  • Giuseppe Crippa, Roberto Crippa, Stefano Felici, Riccardo Vettori, Raffaele Vallauri, Flavio Maggioni und ihr Team haben eine Methode zur schnellen, lokalen Herstellung von Halbleiter-Prüfkarten entwickelt
  • Ihre Technologie integriert Tausende mikroskopischer Prüfkontakte auf einer einzelnen Karte zur Prüfung von Chips während der Produktion, wodurch die Abhängigkeit Europas von Lieferketten in Übersee reduziert werden kann
  • Die Erfinder sind Finalisten in der Kategorie "Industrie". Die Gewinner/innen werden während der Preisverleihung am 2. Juli 2026 in Berlin bekannt gegeben
  • Die öffentliche Abstimmung über den Publikumspreis startet heute und wird bis zur Preisverleihung am 2. Juli 2026 laufen

München, 12. Mai 2026 – Halbleiterchips sind die grundlegenden Bausteine digitaler und digitalisierter Produkte in den verschiedensten Branchen. Laut der Europäischen Kommission liegt der Anteil Europas an der weltweiten Halbleiterproduktion weiterhin unter 9 %, weshalb die Region für wichtige Technologien stark von Lieferanten aus Übersee abhängig ist. Um diese kritische Lücke zu schließen, haben der italienische Erfinder Giuseppe Crippa und sein Team eine Methode zur schnellen, lokalen Herstellung modernster Prüfkarten entwickelt – hochspezialisierte Geräte, die zum Testen von Halbleiterchips verwendet werden, bevor diese in das endgültige Produkt integriert werden.

Weil diese Erfindung europäischen Chipherstellern die Möglichkeit gibt, Prüfkarten lokal zu beziehen, statt von der Herstellung und Reparatur in Übersee abhängig zu sein, trägt die neue Methode zur Beschleunigung der Chipentwicklung und zur Stärkung des europäischen Halbleiter-Ökosystems bei. Für seine Arbeit wurde das Team von einer unabhängigen Jury als Finalist in der Kategorie "Industrie" des Europäischen Erfinderpreises 2026 ausgewählt.

Neuer mikroskopischer Standard bei der Halbleiterprüfung

Bevor Chips in elektronischen Geräten verbaut werden, müssen Sie getestet werden, während sie noch auf einer dünnen Silikonscheibe ("Wafer") gruppiert sind. Prüfkarten funktionieren als elektromechanische Schnittstelle: Ihre mikroskopisch kleinen Kontaktnadeln berühren die Kontaktflächen auf dem Chip und verbinden den Chip dadurch mit einer Prüfvorrichtung, die testet, ob der Chip richtig funktioniert.

Da jede Chipfamilie eine eigene Prüfkonfiguration erfordert, sind Prüfkarten extrem komplexe Geräte. Moderne Versionen können bis zu 50 000 mikroskopisch kleine Prüfkontakte enthalten, deren Abstand zueinander gerade einmal 40 Mikrometer beträgt, und unterstützen Wafertests mit hoher Dichte und Geschwindigkeit.

Technoprobe, die von Giuseppe Crippa gegründete Firma, optimierte diese Technologie dank verschiedener technologischer Entwicklungsschritte. Zu diesen gehörten Hochfrequenz-Prüfkartenstrukturen, die Signale von 1 GHz bis 110 GHz senden können, verbesserte mechanische Führungssysteme zur Aufrechterhaltung der korrekten Ausrichtung der Prüfkontakte sowie thermomechanische Stabilisierungsmethoden, die einen zuverlässigen elektrischen Kontakt in wiederholten Testzyklen gewährleisten.

"Die Prüfkartenentwicklung ist ein unglaublich multidisziplinäres Gebiet. Es ist genau die Art Umgebung, in der talentierte Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund – Elektronik, Materialwissenschaften, Physik, Mechanik – etwas schaffen, das eine einzelne Disziplin nie erklären könnte", sagt Flavio Maggioni.

Lokale Prüfkartenherstellung für die europäische Chipindustrie

Giuseppe Crippa, Manager bei STMicroelectronics, erkannte in den späten 1980er Jahren, dass es in Europa an lokalen Fertigungs- und Reparaturkapazitäten für Prüfkarten mangelte. Zu der Zeit wurde ein Großteil der Prüfkarten in den Vereinigten Staaten hergestellt, sodass europäische Halbleiterfirmen ihre Ausrüstung zur Wartung nach Übersee verschiffen mussten, was kostenaufwändige Verzögerungen mit sich brachte.

1989 begann Crippa mit seinem Sohn Cristiano, bei sich zu Hause in Merate Prüfkontakte herzustellen, woraus nach und nach Technoprobe entstand. Der erste Kunde des Unternehmens war STMicroelectronics. Die frühe Produktion fand in umgewandelten Räumen im Haus der Familie statt. Im Laufe der Zeit erweiterte Technoprobe seine Tätigkeiten und seine internationale Präsenz. Die Hauptentwicklung und -herstellung blieb jedoch in Italien.

Heute ist Technoprobe Europas größter und weltweit der zweitgrößte Hersteller von Prüfkarten und hat einen Marktanteil von 34 % des weltweiten Marktes für Logikprüfkarten.

"Selbst Halbleiteringenieure lernen an der Hochschule selten etwas über Prüfkarten. Die meisten von uns haben Prüfkarten erst im Berufsleben entdeckt. Prüfkarten sind eine so stark spezialisierte Nische, dass selbst große Chiphersteller nur kleine Teams haben, die sich wirklich damit auskennen", erklärt Raffaele Vallauri.

Giuseppe Crippa, Roberto Crippa, Stefano Felici, Riccardo Vettori, Raffaele Vallauri und Flavio Maggioni und ihr Team sind einer von drei Finalist(inn)en in der Kategorie "Industrie" beim Europäischen Erfinderpreis 2026. Die weiteren "Industrie"-Finalist(inn)en sind die griechisch-schwedische Wissenschaftlerin Angeliki Triantafyllou für einen enzymatischen Prozess zur Verbesserung von Stabilität, Geschmack und Funktion von Hafergetränken und der schweizerisch-griechische Elektroningenieur Evangelos Eleftheriou und sein Team für Beiträge zur digitalen Datenspeicherung. Das Europäische Patentamt wird die Gewinnerinnen und Gewinner am 2. Juli 2026 im Rahmen einer per Livestream aus Berlin übertragenen Preisverleihung aus Berlin bekannt geben. Zusätzlich zu den vier Award-Kategorien wird es einen Publikumspreis geben, der durch eine kombinierte Abstimmung der Öffentlichkeit und der unabhängigen Jury vergeben wird. Die öffentliche Abstimmung startet am 12. Mai 2026 und wird bis zur Preisverleihung am 2. Juli 2026 laufen.

Weitere Informationen über die Technologien, ihre Auswirkungen und die Erfinderinnen und Erfinder finden Sie hier.

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Über den europäischen Erfinderpreis

Der Europäische Erfinderpreis ist einer der renommiertesten Innovationspreise Europas. Er wurde 2006 vom EPA ins Leben gerufen und würdigt Einzelpersonen oder Teams, die mit ihren wegweisenden Erfindungen Antworten auf einige der größten Herausforderungen unserer Zeit geben. Die Mitglieder der Jury für den Europäischen Erfinderpreis sind allesamt ehemalige Finalistinnen und Finalisten. Bei der Bewertung der Vorschläge stützt sich die unabhängige Jury auf ihre Expertise in den Bereichen Technik, Geschäftswelt und geistiges Eigentum. Alle Erfinder/innen müssen ein europäisches Patent für ihre Erfindung erhalten haben. Hier erfahren sie mehr über die verschiedenen Kategorien, Preise, Auswahlkriterien und den Livestream der Preisverleihung am 2. Juli in Berlin.

Über das EPA

Mit 6 300 Beschäftigten ist das Europäische Patentamt (EPA) eine der größten Behörden in Europa. Das EPA, das seinen Hauptsitz in München sowie Niederlassungen in Berlin, Brüssel, Den Haag und Wien hat, wurde mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit zwischen den Staaten Europas auf dem Gebiet des Patentwesens zu stärken. Dank des zentralisierten Verfahrens vor dem EPA können Erfinderinnen und Erfinder hochwertigen Patentschutz in bis zu 46 Staaten erlangen, die zusammen einen Markt von rund 700 Millionen Menschen umfassen. Das EPA ist ferner weltweit führend in den Bereichen Patentinformation und Patentrecherche.