Nachrüstung bestehender Schienenstrecken mit Magnetantriebssystem: Polnischer Erfinder als Finalist für den Europäischen Erfinderpreis 2026 benannt

 in 
Pressemitteilungen
  • Przemek Ben Paczek und sein Team haben ein Magnetantriebssystem (MagRail) zur Nachrüstung bestehender Schieneninfrastruktur entwickelt
  • Die MagRail-Technologie ermöglicht den Einsatz einzelner Waggons, die ohne Lokomotive autonom mit bis zu 160 km/h fahren können
  • Der Erfinder ist mit seinem Team Finalist in der Kategorie "KMU". Die Gewinner/innen werden während der Preisverleihung am 2. Juli 2026 in Berlin bekannt gegeben
  • Die öffentliche Abstimmung über den Publikumspreis startet heute und wird bis zur Preisverleihung am 2. Juli 2026 laufen

München, 12. Mai 2026 – Das europäische Schienennetz ist immer stärkerem Druck ausgesetzt, Güter effizienter und umweltfreundlicher zu transportieren. Doch laut der Europäischen Kommission sank die in Tonnenkilometern gemessene Verkehrsleistung im EU-Schienengüterverkehr 2024, was zu einem Ruf nach massiven Investitionen und einer Modernisierung des Schienennetzes erzeugt hat.

Der polnische Erfinder Przemek Ben Paczek hat zusammen mit Łukasz Mielczarek, Paweł Radziszewski, Katarzyna Foljanty und Tomasz Kublin MagRail entwickelt, ein Magnetantriebssystem, mit dem das bestehende Schienennetz nachgerüstet werden kann, ohne eine komplett neue Infrastruktur zu benötigen. Güterwaggons können mit dieser Technologie mit Hilfe eines elektromagnetischen Antriebs autonom bewegt werden, was die Flexibilität und damit die Transportkapazitäten im bestehenden Schienennetz steigert. Für seine Arbeit wurde das Team von einer unabhängigen Jury als Finalist in der Kategorie "KMU" des Europäischen Erfinderpreises 2026 ausgewählt.

Magnetantriebssystem für vorhandenes Schienennetz

Im weltweiten Schienenverkehr werden oft lange Zugverbände eingesetzt, die zwar riesige Lasten befördern können, aber schwierig zu planen, träge in der Beschleunigung und kostenintensiv in der Verwaltung in ausgelasteten Terminals sind. Das MagRail-System von Nevomo greift diese Probleme an, indem es durch Nachrüstung des vorhandenen Schienennetzes und der vorhandenen Waggons mit neuen Komponenten einen reibungslosen Antrieb ermöglicht.

Das System besteht aus einem passiven "magnetischen Surfbrett", das unter dem Fahrwerk eines bestehenden Schienenfahrzeugs montiert wird, und einer "dritten Schiene", die zwischen den vorhandenen Eisenbahnschienen hinzugefügt wird. Diese dritte Schiene fungiert als Wellengenerator, der ein geregeltes elektromagnetisches Feld generiert, mit dem das Schienenfahrzeug ohne mechanischen Kontakt angetrieben und – mittels Energierückgewinnung – gebremst werden kann.

Mit der für den Güterverkehr entwickelten MagRail Booster-Technologie von Nevomo können einzelne Güterwaggons oder kleine Wagenzüge autonom mit bis zu 160 km/h bewegt werden. Die Waggons lassen sich je nach Bedarf automatisch an- oder abkoppeln. In Industriegebieten, Häfen und Terminals kann das System Rangierbewegungen automatisieren, für die bisher üblicherweise Diesellokomotiven eingesetzt werden. Auf Hauptstrecken ermöglicht die Technologie ein schnelleres Wiederbeschleunigen des Güterzugs nach der Überholung durch einen schnelleren Personenzug. Zudem kann die Technologie in Tunnels genutzt werden, wo keine Oberleitungsdrähte verlegt werden können.

"Wo installieren wir diese Infrastruktur? An diesem Punkt haben wir beschlossen, nicht mehr von neuen Röhren zu träumen, sondern stattdessen das bereits vorhandene Schienennetz aufzurüsten", erklärt Przemek Ben Paczek.

Von der Hyperloop-Forschung zur Nachrüstung der Schieneninfrastruktur

Das Projekt entstand 2016, als Studierende der Technischen Universität Warschau das Hyper Poland-Hochschulteam gründeten, um an einem internationalen Hyperloop-Wettbewerb teilzunehmen. Das Team, dessen Prototyp das Finale erreichte und auf der SpaceX-Teststrecke getestet wurde, beschloss, ein Spin-out zu gründen, aus dem später Nevomo hervorging.

Während die anfängliche Vision des Unternehmens auf der Entwicklung eines Hyperloop-Systems in einer Vakuumröhre beruhte, wurde in Gesprächen mit Anlegern 2017 deutlich, dass der Bau einer komplett neuen Infrastruktur mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden wäre. Das Team wandte sich deshalb einer Lösung zu, die den Magnetantrieb in die vorhandene Infrastruktur integriert und eine mögliche zukünftige Aufrüstung auf ein Schwebebahnsystem vorsieht.

Zu den frühen Entwicklungen gehörten eine 48 Meter lange Teststrecke, die 2019 gebaut wurde, und weitere Prototypen, die durch öffentliche Finanzierung ermöglicht wurden. 2023 erreichte ein zwei Tonnen schweres MagRail-Schienenfahrzeug auf einer Teststrecke mittels Magnetschwebetechnik eine Geschwindigkeit von 135 km/h.

2025 startete Nevomo sein erstes kommerzielles Projekt mit der Aufsichtsbehörde des indischen Hafens Deendayal. Dessen Ziel ist es, ein vollautomatisiertes System für den Transportsystem Güterwaggons zu entwickeln, das die vorhandene Schieneninfrastruktur nutzt.

"Die größte Herausforderung war die Finanzierung. Es ist unheimlich schwierig, Menschen davon zu überzeugen, Geld in etwas zu investieren, das völlig neu ist und für das es noch keine Benchmarks gibt", sagt der polnische Finalist.

Przemek Ben Paczek ist mit seinem Team einer von drei Finalist(inn)en in der Kategorie "KMU" beim Europäischen Erfinderpreis 2026. Die weiteren "KMU"-Finalist(inn)en sind der tschechische Ingenieur Jan Čmelík und Team für nadellose Elektrospinntechnologie zur Skalierung der Produktion von Nanofasern sowie der französische Meeresbiologe Franck Zal für einen Sauerstoffträger auf Basis des Hämoglobins von Wattwürmern, der eine bessere Konservierung von Organen und Gewebe ermöglicht. Das Europäische Patentamt wird die Gewinnerinnen und Gewinner am 2. Juli 2026 im Rahmen einer per Livestream aus Berlin übertragenen Preisverleihung bekannt geben. Zusätzlich zu den vier Award-Kategorien wird es einen Publikumspreis geben, der durch eine kombinierte Abstimmung der Öffentlichkeit und der unabhängigen Jury vergeben wird. Die öffentliche Abstimmung startet am 12. Mai 2026 und wird bis zur Preisverleihung am 2. Juli 2026 laufen.

Weitere Informationen über die Technologien, ihre Auswirkungen und die Erfinderinnen und Erfinder finden Sie hier.

Pressematerial

Zugang zu Materialien für Journalisten 
Pressebilder und Video-Material 
(für Videos im MXF-Format wenden Sie sich bitte an [email protected])


Medienkontakte Europäisches Patentamt

Roberta Romano-Götsch 
EPA-Sprecherin

EPA-Pressestelle
[email protected]
Tél. +49 89 2399-1833

Über den europäischen Erfinderpreis

Der Europäische Erfinderpreis ist einer der renommiertesten Innovationspreise Europas. Er wurde 2006 vom EPA ins Leben gerufen und würdigt Einzelpersonen oder Teams, die mit ihren wegweisenden Erfindungen Antworten auf einige der größten Herausforderungen unserer Zeit geben. Die Mitglieder der Jury für den Europäischen Erfinderpreis sind allesamt ehemalige Finalistinnen und Finalisten. Bei der Bewertung der Vorschläge stützt sich die unabhängige Jury auf ihre Expertise in den Bereichen Technik, Geschäftswelt und geistiges Eigentum. Alle Erfinder/innen müssen ein europäisches Patent für ihre Erfindung erhalten haben. Hier erfahren sie mehr über die verschiedenen Kategorien, Preise, Auswahlkriterien und den Livestream der Preisverleihung am 2. Juli in Berlin.

Über das EPA

Mit 6 300 Beschäftigten ist das Europäische Patentamt (EPA) eine der größten Behörden in Europa. Das EPA, das seinen Hauptsitz in München sowie Niederlassungen in Berlin, Brüssel, Den Haag und Wien hat, wurde mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit zwischen den Staaten Europas auf dem Gebiet des Patentwesens zu stärken. Dank des zentralisierten Verfahrens vor dem EPA können Erfinderinnen und Erfinder hochwertigen Patentschutz in bis zu 46 Staaten erlangen, die zusammen einen Markt von rund 700 Millionen Menschen umfassen. Das EPA ist ferner weltweit führend in den Bereichen Patentinformation und Patentrecherche.