Entwicklung eines hochwirksamen Malaria-Impfstoffs: Irisch-britischer Forscher als Finalist für den Europäischen Erfinderpreis 2026 ausgewählt
- Der Impfstoff eignet sich für den flächendeckenden, kostengünstigen Einsatz in den Ländern, die am stärksten von Malaria betroffen sind
- Der irisch-britische Forscher ist Finalist in der Kategorie "Forschung". Die Gewinner/innen werden während der Preisverleihung am 2. Juli 2026 in Berlin bekannt gegeben
- Die öffentliche Abstimmung über den Publikumspreis startet heute und wird bis zur Preisverleihung am 2. Juli 2026 laufen
München, 12. Mai 2026 – Malaria ist nach wie vor eine der tödlichsten Infektionskrankheiten weltweit. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation zufolge wurden 2024 weltweit 282 Millionen Malariafälle und 610 000 durch die Krankheit verursachte Todesfälle verzeichnet. Rund drei Viertel der Todesfälle in der WHO-Region Afrika waren Kinder unter fünf Jahren. Jahrzehntelang schritt die Impfstoffentwicklung nur langsam voran, doch nun hat Sir Adrian Hill mit seinem Team einen hochwirksamen Malaria-Impfstoff entwickelt, der von der WHO zur breiten Anwendung empfohlen wurde. Für seine Arbeit wurde Hill von einer unabhängigen Jury als Finalist in der Kategorie "Forschung" des Europäischen Erfinderpreises 2026 ausgewählt.
Besserer Schutz vor einem komplexen Parasiten
Die Entwicklung eines Malaria-Impfstoffs wurde lange Zeit als eine der schwierigsten Herausforderungen im Bereich der Medizin betrachtet. Der Malaria-Erreger ist genetisch komplex und durchläuft im menschlichen Körper verschiedene Entwicklungsphasen, was es dem Immunsystem erschwert, den Erreger zu erkennen und die Infektion zu bekämpfen. Frühere Impfstoffkandidaten, darunter auch der erste lizenzierte Malaria-Impfstoff, boten bei Kindern nur einen mäßigen und kurzfristigen Schutz.
Sir Adrian und sein Team fanden eine Lösung für die bisherigen Einschränkungen, indem sie die Menge und Dichte des malariaspezifischen Proteins erhöhten und gleichzeitig Bestandteile entfernten, die die Immunantwort schwächen können. Der daraus resultierende Impfstoff, der die Bezeichnung R21/Matrix-M trägt, bildet winzige Nanopartikel, die ungefähr die Größe eines herkömmlichen Virus haben, auf die das menschliche Immunsystem besonders stark reagiert. In Kombination mit dem Adjuvans Matrix-M erzeugt der Impfstoff wesentlich höhere Antikörperkonzentrationen als dies bei früheren Ansätzen der Fall war.
"Als ich Ende der 1980er Jahre in Gambia arbeitete, sah ich Kinder vor meinen Augen an Malaria sterben. Diese Erfahrung hat mich geprägt und überzeugt, dass wir ein besseres als die bisher verfügbaren Mittel benötigen. Über einen Großteil der letzten beiden Jahrzehnte sind jährlich rund eine halbe Million Kinder an Malaria verstorben, nahezu alle davon in Afrika. Wenn man das einmal gesehen hat, ist es unmöglich, nichts ändern zu wollen", erklärte Sir Adrian.
Von der Langzeitforschung in die reale Welt
Der R21-Impfstoff ist das Ergebnis von über dreißig Jahren fortwährender Forschung am Jenner Institute der Universität Oxford. Die Arbeit von Sir Adrian war früh von seinen Erfahrungen an Kliniken in Malaria-Regionen geprägt und wurde durch langfristige öffentliche Zuschüsse und wohltätige Spenden gefördert, die zahlreiche Iterationen in der wissenschaftlichen Forschung ermöglichten, bevor Partnerschaften für die Produktion in großen Volumina geschlossen werden konnten.
2021 erreichte das Team einen entscheidenden Durchbruch: Bei Versuchen in der Phase 2b wurde eine Wirksamkeit von 77 % erreicht, was über den von der WHO gesetzten Wirksamkeitszielen liegt. Der Impfstoff wurde daraufhin in Zusammenarbeit mit den Serum Institute of India weiterentwickelt, um eine kostengünstige Produktion in großen Volumina zu ermöglichen und den Impfstoff so für routinemäßige Impfprogramme in einkommensschwachen Gebieten geeignet zu machen.
"Mir wurde klar, dass die Welt nicht noch mehr Erklärungen und Beschreibungen darüber braucht, wie kompliziert der Malaria-Parasit ist und wie dieser Millionen Jahre lang unser Immunsystem ausgetrickst hat. Stattdessen brauchen wir neue Methoden, Malaria-Erkrankungen zu vermeiden. Ein Impfstoff schien die offensichtliche Lösung zu sein. Das hat mich in die Forschung gebracht. Die Chance, etwas zu entwickeln, das für eine riesige Anzahl Menschen einen großen Unterschied machen würde, hat mich immer angetrieben", erzählt Sir Adrian.
Nach der Genehmigung in afrikanischen Ländern sprach die WHO im Oktober 2023 eine formelle Empfehlung zur breiten Verwendung von R21/Matrix-M aus. Der Impfstoff zeichnet sich durch seine Stabilität unter realen Einsatzbedingungen und seinen auch in einkommensschwachen Regionen erschwinglichen Preis von unter 3 EUR pro Dosis aus.
Sir Adrian Hill ist einer von drei Finalist(inn)en in der Kategorie "Forschung" beim Europäischen Erfinderpreis 2026. Die weiteren Finalist(inn)en in dieser Kategorie sind die portugiesische Wissenschaftlerin Paula Videira mit ihrem Team für einen spezifischen Antikörper, der Krebszellen von gesundem Gewebe unterscheiden kann, und der Finne Mikko Möttönen für einen hochempfindlichen kryogenen Mikrowellensensor zur Diagnose von Interferenzen in Quantencomputern. Das Europäische Patentamt wird die Gewinnerinnen und Gewinner am 2. Juli 2026 im Rahmen einer aus Berlin per Livestream übertragenen Preisverleihung aus Berlin bekannt geben. Zusätzlich zu den vier Award-Kategorien wird es einen Publikumspreis geben, der durch eine kombinierte Abstimmung der Öffentlichkeit und der unabhängigen Jury vergeben wird. Die öffentliche Abstimmung startet am 12. Mai 2026 und wird bis zur Preisverleihung am 2. Juli 2026 laufen.
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Der Europäische Erfinderpreis ist einer der renommiertesten Innovationspreise Europas. Er wurde 2006 vom EPA ins Leben gerufen und würdigt Einzelpersonen oder Teams, die mit ihren wegweisenden Erfindungen Antworten auf einige der größten Herausforderungen unserer Zeit geben. Die Mitglieder der Jury für den Europäischen Erfinderpreis sind allesamt ehemalige Finalistinnen und Finalisten. Bei der Bewertung der Vorschläge stützt sich die unabhängige Jury auf ihre Expertise in den Bereichen Technik, Geschäftswelt und geistiges Eigentum. Alle Erfinder/innen müssen ein europäisches Patent für ihre Erfindung erhalten haben. Hier erfahren sie mehr über die verschiedenen Kategorien, Preise, Auswahlkriterien und den Livestream der Preisverleihung am 2. Juli in Berlin.
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