Luftreinigung mit Hilfe der Natur: Chilenische Erfinder als Finalisten für den Europäischen Erfinderpreis 2026 benannt
- Der Agraringenieur Aníbal Montalva Rodríguez und der Architekt Miguel Ángel Fernández Donoso haben einen lebenden Biofilter entwickelt, der die Luftverschmutzung durch Feinstaub um über 90 % reduzieren kann
- Das von der Natur inspirierte System nutzt biologische Prozesse, um Schadstoffe aus Verbrennungsgasen zu entfernen sowie Feinstaub- und Geruchsemissionen zu beseitigen
- Das chilenische Erfinderduo ist Finalist in der Kategorie "Nicht-EPO-Staaten". Die Gewinner/innen werden während der Preisverleihung am 2. Juli 2026 in Berlin bekannt gegeben
- Die öffentliche Abstimmung über den Publikumspreis startet heute und wird bis zur Preisverleihung am 2. Juli 2026 laufen
München, 12. Mai 2026 – Laut dem chilenischen Energieministerium heizen rund 72 % der Haushalte in der Mitte und im Süden des Landes hauptsächlich mit Brennholz, zudem verursachen viele Industriebranchen durch Verbrennungsprozesse Rauch und Geruchsemissionen. All dies beeinträchtigt die Luftqualität. Schätzungen staatlicher Quellen zufolge sind nahezu 10 Millionen EinwohnerInnen Chiles einer Feinstaubbelastung ausgesetzt, die empfohlene Grenzwerte der WHO um das Achtfache überschreiten. Die chilenischen Erfinder Aníbal Montalva Rodríguez und Miguel Ángel Fernández Donoso haben einen lebenden Biofilter entwickelt, der Feinstaub- und Geruchsemissionen um über 90 % reduziert. Der Biofilter reinigt die verschmutzte Luft mit Hilfe von Pflanzen und Mikroorganismen und beseitigt Rauch. Für ihre Arbeit wurden die Erfinder von einer unabhängigen Jury als Finalisten in der Kategorie "Nicht-EPO-Staaten" für den Europäischen Erfinderpreises 2026 ausgewählt.
Pflanzen als Luftfilter
In vielen chilenischen Städten staut sich der durch die Wohnraumbeheizung erzeugte Rauch in den Straßen, vor allem im Winter. Er setzt die Bevölkerung einer hohen Schadstoffkonzentration an Feinstaub (PM2,5) aus. Herkömmliche Methoden der Luftreinigung sind oft energieintensiv, kostenaufwändig oder schlecht für dicht besiedelte, städtische Umgebungen geeignet.
Der Agraringenieur Montalva Rodríguez und der Architekt Fernández Donoso haben ein System entwickelt, das Rauch durch eine vertikale Struktur zieht, die mit Pflanzen und einem speziell entwickelten Substrat gefüllt ist. Die aus den Öfen austretenden Abgase werden abgekühlt und durch das System geleitet. Darin zerlegen Mikroorganismen und Pflanzenwurzeln die Schadstoffe und nehmen sie als Nährstoffe für ihr Wachstum auf, sodass ein für beide Seiten vorteilhaftes Ökosystem entsteht. Der dauerhaft arbeitende, wenig Energie benötigende und skalierbare Filter kann direkt in Wohnungen, öffentlichen Räumen wie etwa Straßen, Schulen und Krankenhäuser sowie in großen Industrieanlagen installiert werden. Die ursprünglich zur Filterung von Schadstoffen aus der Holzverbrennung entwickelte Lösung eignet sich auch zur Beseitigung von Schadstoffen, die beim Verbrennen anderer Stoffe entstehen. Er liefert zudem hervorragende Ergebnisse bei der Bekämpfung von Gerüchen.
"Sobald man den Filter installiert und einschaltet, verschwindet der Rauch aus dem Kamin. Dieses in Echtzeit beobachtbare Verschwinden ist eine der stärksten Eigenschaften des Systems", sagt Aníbal Montalva Rodríguez. Die Erfindung verbessert die Luftqualität mithilfe natürlicher Filterungsprozesse. Sie kommt ohne chemische Behandlungen und energieintensive Technologien aus und ermöglicht die Verwendung erschwinglicher Ressourcen als Lieferanten für saubere Energie und Wärme.
Entwicklung und Implementierung eines lebenden Biofilters
Ihre gemeinsame Besorgnis über die sichtbaren und dauerhaften Probleme mit der Luftqualität in chilenischen Städten regten die beiden Erfinder zur Entwicklung dieser Lösung an. Mit ihren Kenntnissen und ihrer Erfahrung in Agrarwissenschaften und Mechanik entwickelten sie ein von der Natur inspiriertes und natürliche Materialien nutzendes Verfahren zur Reinigung der Luft.
Ihre Arbeit führte schließlich zur Entwicklung einer patentierten Technologie und zur Gründung der Firma Filtrovivo, die Biofilter bereits in verschiedenen Regionen Chiles implementiert hat, darunter Tarapacá, Metropolitana, O'Higgins, Maule, Ñuble, Biobío, Araucanía und Aysén. Das System ist skalierbar und kann an andere Anwendungsbereiche angepasst werden, bei denen die Luftqualität durch Verbrennung von Biomasse, städtische Verschmutzung oder Geruchsbelastung beeinträchtigt ist.
"In Chile sind die Leute eher daran gewohnt, Technologien zu importieren – nicht zu exportieren. Hier aufgewachsen zu sein, also in einer Region, in der Ressourcen oft knapp sind, hat deutlichen Einfluss auf die Art und Weise, wie wir Probleme angehen. Es hat uns angespornt, kreativ zu denken und nach Lösungen zu suchen, die bisher niemand anbietet", erklärt Miguel Ángel Fernández Donoso.
Aníbal Montalva Rodríguez und Miguel Ángel Fernández Donoso sind zwei der drei Finalist(inn)en in der Kategorie "Nicht-EPO-Staaten" beim Europäischen Erfinderpreis 2026. Die weiteren Finalist(inn)en in dieser Kategorie sind die US-amerikanische Erfinderin Emily Morris und der deutsche Professor Thorsten Stoesser für eine modulare Wasserkraftanlage, die Wasser aktiv durch Turbinen leitet, und die chinesischen Erfinder Yu Haijun und Xie Yinghao für ihre patentierte Methode zur Zurückgewinnung von Hochleistungsmaterialien aus verschiedenen Arten von Lithium-Ionen-Altbatterien. Das Europäische Patentamt wird die Gewinnerinnen und Gewinner am 2. Juli 2026 im Rahmen einer aus Berlin per Livestream übertragenen Preisverleihung bekannt geben. Zusätzlich zu den vier Award-Kategorien wird es einen Publikumspreis geben, der durch eine kombinierte Abstimmung der Öffentlichkeit und der unabhängigen Jury vergeben wird. Die öffentliche Abstimmung startet am 12. Mai 2026 und wird bis zur Preisverleihung am 2. Juli 2026 laufen.
Weitere Informationen über die Technologien, ihre Auswirkungen und die Erfinderinnen und Erfinder finden Sie hier.
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Über den europäischen Erfinderpreis
Der Europäische Erfinderpreis ist einer der renommiertesten Innovationspreise Europas. Er wurde 2006 vom EPA ins Leben gerufen und würdigt Einzelpersonen oder Teams, die mit ihren wegweisenden Erfindungen Antworten auf einige der größten Herausforderungen unserer Zeit geben. Die Mitglieder der Jury für den Europäischen Erfinderpreis sind allesamt ehemalige Finalistinnen und Finalisten. Bei der Bewertung der Vorschläge stützt sich die unabhängige Jury auf ihre Expertise in den Bereichen Technik, Geschäftswelt und geistiges Eigentum. Alle Erfinder/innen müssen ein europäisches Patent für ihre Erfindung erhalten haben. Hier erfahren sie mehr über die verschiedenen Kategorien, Preise, Auswahlkriterien und den Livestream der Preisverleihung am 2. Juli in Berlin.
Über das EPA
Mit 6 300 Beschäftigten ist das Europäische Patentamt (EPA) eine der größten Behörden in Europa. Das EPA, das seinen Hauptsitz in München sowie Niederlassungen in Berlin, Brüssel, Den Haag und Wien hat, wurde mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit zwischen den Staaten Europas auf dem Gebiet des Patentwesens zu stärken. Dank des zentralisierten Verfahrens vor dem EPA können Erfinderinnen und Erfinder hochwertigen Patentschutz in bis zu 46 Staaten erlangen, die zusammen einen Markt von rund 700 Millionen Menschen umfassen. Das EPA ist ferner weltweit führend in den Bereichen Patentinformation und Patentrecherche.