Irisch-britischer Wissenschaftler Sir Adrian Hill erhält Europäischen Erfinderpreis 2026 für einen hochwirksamen Malaria-Impfstoff
- Sir Adrian Hill erhält den Europäischen Erfinderpreis 2026 in der Kategorie „Forschung“ für die Entwicklung des Malaria-Impfstoffs R21/Matrix-M
- Der Impfstoff erzielte in klinischen Studien einen Schutz von etwa 75–80 % und übertrifft damit das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Malaria-Impfstoffe.
- Die Erfindung ist für den flächendeckenden Einsatz in Ländern mit niedrigem Einkommen konzipiert und wurde 2023 von der WHO hierfür empfohlen.
- Die Auszeichnung wurde heute im Rahmen der Verleihung des Europäischen Erfinderpreises 2026 in Berlin überreicht
München, 2. Juli 2026 – Das Europäische Patentamt (EPA) hat heute den irisch-britischen Wissenschaftler Sir Adrian Hill für die Entwicklung des Malaria-Impfstoffs R21/Matrix-M mit dem Europäischen Erfinderpreis 2026 in der Kategorie „Forschung“ ausgezeichnet. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab es im Jahr 2024 weltweit schätzungsweise 282 Millionen Malaria-Erkrankungen, darunter 610 000 Todesfälle. Dabei lag der Anteil an Kindern unter fünf Jahren in der WHO-Region Afrika bei etwa 75 %. Herkömmliche Malaria-Impfstoffe boten nur einen mäßigen Schutz, insbesondere bei Kleinkindern. Hill und sein Team entwickelten einen Impfstoff, der mehrere malariaspezifische Proteinregionen präsentiert, die zur Auslösung einer starken Immunantwort erforderlich sind, und trugen so dazu bei, in klinischen Studien einen Schutz von etwa 75–80 % zu erreichen.
Der Europäische Erfinderpreis würdigt Erfinderinnen und Erfinder, deren Innovationen Lösungen für einige der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit bieten. Weitere Finalisten in der Kategorie „Forschung“ waren die portugiesische Forscherin Paula Videira und ihr Team für einen hochpräzisen Antikörper, der Krebszellen von gesundem Gewebe unterscheidet, sowie der finnische Physiker Mikko Möttönen für einen hochempfindlichen kryogenen Mikrowellensensor zur Verbesserung von Quantencomputer-Hardware.
„Ich freue mich sehr, diese prestigeträchtige Auszeichnung im Namen der vielen hundert Menschen entgegenzunehmen, die in den letzten zwölf Jahren zur Entdeckung, Entwicklung und Zulassung unseres Malaria-Impfstoffs beigetragen haben“, sagt Sir Hill.
Besserer Schutz vor Malaria
Seit mehr als einem Jahrhundert versuchen Wissenschaftler, einen Malaria-Impfstoff zu entwickeln, doch erst nachdem mehr als 150 Impfstoffkandidaten in klinische Studien an Menschen getestet wurden, waren schließlich zwei davon erfolgreich. Frühere Impfstoffe, darunter auch RTS,S, zeigten bei Kleinkindern in der Regel nur eine mäßige Wirkung.
Hills Team hat die Struktur des Impfstoffs neugestaltet, um weitere der vom Immunsystem erkannten Schlüsselsegmente des Malariaproteins einzubeziehen und gleichzeitig Komponenten zu entfernen, die die Immunantwort ablenken könnten. Der Impfstoff bildet Nanopartikel mit einer Größe von etwa 25 Nanometern, wodurch das Immunsystem diese besser erkennen und effektiver darauf reagieren kann. In Kombination mit dem Adjuvans Matrix-M löst der Impfstoff eine deutlich stärkere Antikörperreaktion aus als frühere Ansätze.
Der Impfstoff wurde zudem im Hinblick auf den praktischen Einsatz entwickelt. Er lässt sich in großem Maßstab herstellen, kostet weniger als 3 Euro pro Dosis und bleibt unter normalen Kühlbedingungen bis zu zwei Jahre lang stabil, was dazu beiträgt, Impfprogramme in Regionen, in denen Malaria nach wie vor endemisch ist, zugänglicher zu machen.
Entwicklung eines Impfstoffs für den großflächigen Einsatz
Hills langjähriges Engagement in der Malariaforschung wurde durch seine Erfahrungen in Gambia im Jahr 1988 geprägt, wo er die verheerenden Auswirkungen der Krankheit auf Kleinkinder miterlebte. In den folgenden drei Jahrzehnten untersuchte sein Team am Jenner-Institut in Oxford zahlreiche Impfstoffkandidaten, bevor es schließlich R21/Matrix-M entwickelte.
An dem Projekt waren Partner wie die Universität Oxford, das Serum Institute of India, Novavax sowie führende afrikanische Forschungszentren in Burkina Faso, Kenia, Mali und Tansania beteiligt. Ein wichtiger Meilenstein wurde 2021 erreicht, als die Ergebnisse der Phase-2b-Studie eine Wirksamkeit von bis zu 77 % zeigten und damit das WHO-Ziel von 75 % für Malaria-Impfstoffe übertrafen.
Ghana ließ den Impfstoff 2023 als erstes Land zu, Nigeria folgte. Später im selben Jahr empfahl die WHO R21/Matrix-M offiziell für den flächendeckenden Einsatz. Heute wird die Malariaimpfung in mehr als 20 afrikanischen Ländern in routinemäßige Impfprogramme integriert und bietet damit ein neues Mittel zur Verringerung von Malariaerkrankungen und -todesfällen.
Alle Preisträger des Europäischen Erfinderpreises 2026 wurden heute im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung in Berlin bekannt gegeben. Die Zeremonie können Sie hier online verfolgen. Weitere Informationen zu den Auswirkungen der Erfindung, der Technologie und der Geschichte des Erfinders finden Sie hier.
Medienkontakte Europäisches Patentamt
Roberta Romano-Götsch
EPA-Sprecherin
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Über den europäischen Erfinderpreis
Der Europäische Erfinderpreis ist einer der renommiertesten Innovationspreise Europas. Er wurde 2006 vom EPA ins Leben gerufen und würdigt Einzelpersonen oder Teams, die mit ihren wegweisenden Erfindungen Antworten auf einige der größten Herausforderungen unserer Zeit geben. Die Mitglieder der Jury für den Europäischen Erfinderpreis sind allesamt ehemalige Finalistinnen und Finalisten. Bei der Bewertung der Vorschläge stützt sich die unabhängige Jury auf ihre Expertise in den Bereichen Technik, Geschäftswelt und geistiges Eigentum. Alle Erfinder/innen müssen ein europäisches Patent für ihre Erfindung erhalten haben. Hier erfahren sie mehr über die verschiedenen Kategorien, Preise, Auswahlkriterien und den Livestream der Preisverleihung am 2. Juli in Berlin.
Über das EPA
Mit 6 300 Beschäftigten ist das Europäische Patentamt (EPA) eine der größten Behörden in Europa. Das EPA, das seinen Hauptsitz in München sowie Niederlassungen in Berlin, Brüssel, Den Haag und Wien hat, wurde mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit zwischen den Staaten Europas auf dem Gebiet des Patentwesens zu stärken. Dank des zentralisierten Verfahrens vor dem EPA können Erfinderinnen und Erfinder hochwertigen Patentschutz in bis zu 46 Staaten erlangen, die zusammen einen Markt von mehr als 715 Millionen Menschen umfassen. Das EPA ist ferner weltweit führend in den Bereichen Patentinformation und Patentrecherche.