6. Non-comparution à une procédure orale
6.1. Le droit d'être entendu en cas de non-comparution volontaire d'une partie
Selon la décision T 1500/10, il découle clairement de la règle 115(2) CBE que c'est la procédure orale elle-même qui donne au demandeur la possibilité de prendre position, conformément à l'art. 113(1) CBE. Si une partie décide de ne pas assister à la procédure orale sans motif valable, elle choisit de ne pas faire usage de la possibilité de prendre position, pendant la procédure orale, au sujet de l'une quelconque des objections soulevées au cours de cette procédure, et n'a pas le droit de présenter des moyens écrits supplémentaires. Sont considérés comme motifs valables les mêmes que ceux qui justifieraient un report de la procédure orale (voir le présent chapitre, III.C.7.1.5).
Selon la décision T 1339/14, l'objectif de la procédure orale est de donner aux parties l'opportunité de s'exprimer non seulement par écrit, mais aussi oralement, et d'être entendues sous cette forme. Elle leur permet également de modifier leurs arguments et, le cas échéant, de réagir aux modifications de la partie adverse directement lors de la procédure orale. Toutefois, une partie qui ne comparaît pas à la procédure orale renonce à cette possibilité.
Dans l'affaire T 1801/17, la chambre a fait observer qu'il n'existait aucune obligation juridique d'assister à une procédure orale. Le titulaire du brevet avait traité toutes les objections qui subsistaient lors de la procédure écrite d'opposition, notamment en présentant des requêtes subsidiaires destinées à surmonter les objections relatives à l'ajout d'éléments alors connues. Il s'agissait d'un moyen légitime de se défendre contre une opposition qui ne laisse entendre aucune intention d'empêcher qu'il ne soit statué en première instance. En procédant de cette manière, le titulaire n'avait pas renoncé au droit de se défendre au cours de la procédure de recours contre des objections qui n'avaient été soulevées que pendant la procédure orale.
Sur la question de savoir si une décision prononcée à l'encontre d'une partie volontairement absente à la procédure orale peut être fondée sur des faits, des moyens de preuve et/ou des arguments nouveaux présentés lors de la procédure orale, voir le chapitre III.B.2.8. "Droit d'être entendu en cas de non-comparution à une procédure orale".
- T 0077/23
Die mündliche Verhandlung vor der Kammer in T 77/23 fand in Abwesenheit der Beschwerdegegnerin (Patentinhaberin) statt. Vor der mündlichen Verhandlung hatte sie schriftlich hilfsweise beantragt, die Angelegenheit zur Behandlung der Hilfsanträge 2, 4 und 6 bis 8 an die Einspruchsabteilung zurückzuverweisen. Weiter hilfsweise hatte sie beantragt, das Patent in geänderter Fassung auf der Grundlage der Ansprüche eines der Hilfsanträge 1 bis 8 aufrechtzuerhalten.
Die Kammer beschloss, die Angelegenheit aus verfahrensökonomischen Gründen nicht an die erste Instanz zurückzuverweisen. Sie hatte zwar in ihrer Mitteilung gemäß Art. 15 (1) VOBK zur Zurückverweisung der Angelegenheit auf Basis der Hilfsanträge 2, 4 und 6 bis 8 an die erste Instanz nicht explizit Stellung genommen. Dennoch sah sie trotz Abwesenheit der Beschwerdegegnerin in der mündlichen Verhandlung das rechtliche Gehör der Beschwerdegegnerin aus den im Folgenden dargelegten Gründen hierzu für gewahrt an.
Die Kammer hatte in ihrer Mitteilung zu allen Hilfsanträgen Stellung genommen. Der Kammer zufolge wäre es unangemessen, zu den Hilfsanträgen Stellung zu nehmen, und dann die Angelegenheit zurückzuverweisen, da die Kammer mit ihrer vorläufigen Meinung die Einspruchsabteilung beeinflussen würde. Somit musste die Beschwerdegegnerin davon ausgehen, dass die Kammer ihrem Antrag auf Zurückverweisung an die erste Instanz nicht nachkommen würde..
Darüber hinaus hatte die Beschwerdegegnerin durch das Fernbleiben von der mündlichen Verhandlung von sich aus auf ihr rechtliches Gehör in dieser Hinsicht verzichtet. Der Kammer zufolge sollte somit die Beschwerdegegnerin von der getroffenen Entscheidung (keine Zurückverweisung) weder überrascht sein, noch ist ihr rechtliches Gehör diesbezüglich verletzt.
Zum weiteren hilfsweise gestellten Antrag der Beschwerdegegnerin, das Patent in geänderter Fassung aufrechtzuerhalten, stellte die Kammer fest, dass jeweils Anspruch 1 der Hilfsanträge 1-8 nicht neu gegenüber der Lehre des Dokuments E1 ist. Der Kammer war bewusst, dass der Einwand mangelnder Neuheit des Anspruchs 1 des Hilfsantrags 8 gegenüber dem Dokument E1 erstmalig in der mündlichen Verhandlung vor der Kammer erhoben wurde. Die Kammer konnte jedoch aus den im Folgenden erläuterten Gründen keine Verletzung des rechtlichen Gehörs der in der mündlichen Verhandlung abwesenden Beschwerdegegnerin erkennen.
Der schriftliche Vortrag beider Parteien zum Hilfsantrag 8 war im schriftlichen Beschwerdeverfahren kurz gehalten worden. Folglich musste die Beschwerdegegnerin damit rechnen, dass eine bis dato nicht erfolgte ausführliche Diskussion zur Neuheit und erfinderischen Tätigkeit erstmalig in der mündlichen Verhandlung geführt werden würde. Darüber hinaus hatte die Kammer in der Mitteilung gemäß Art. 15 (1) VOBK vorgetragen, dass sie die höherrangigen Hilfsanträge 1 bis 7 wegen mangelnder Neuheit gegenüber dem Dokument E1 für nicht gewährbar erachtet. Da Anspruch 1 des Hilfsantrags 8 auf Anspruch 1 des Hilfsantrags 6 basiert, musste die Beschwerdegegnerin der Kammer zufolge damit rechnen, dass, falls Hilfsantrag 8 in der mündlichen Verhandlung behandelt wird, bei der Neuheitsprüfung auch der Unterschied zum Dokument E1 herausgearbeitet werden würde. Somit kann es für die Beschwerdegegnerin nicht überraschend sein, dass der entsprechende Angriff erstmalig in der mündlichen Verhandlung vor der Kammer diskutiert wurde. Nach Ansicht der Kammer ergab sich dies aus einer logischen Fortführung der Prüfung geänderter Ansprüche auf ihre Gewährbarkeit.
Die Kammer betonte, dass eine erstmalige Beurteilung in der mündlichen Verhandlung der Neuheit oder erfinderischen Tätigkeit des beanspruchten Gegenstands gegenüber den im Verfahren diskutierten Druckschriften, welche allerdings nur zu höherrangigen Anträgen diskutiert worden waren, somit eine der mündlichen Verhandlung fernbleibende Partei nicht überraschen kann.
Darüber hinaus kam die Kammer zum Schluss, dass es nicht möglich sein sollte, dass die Beschwerdegegnerin durch ihre Abwesenheit den Umfang möglicher Einwände wesentlich vorgibt und durch ihr Fernbleiben mögliche Einwände exklusiv auf die des schriftlichen Verfahrens beschränkt. Wäre dies zutreffend, könnte die abwesende Partei wesentlich den Verlauf der mündlichen Verhandlung mitbestimmen, sodass der eigentliche Sinn einer mündlichen Verhandlung durch die Abwesenheit einer Partei ad absurdum geführt werden könnte.