I. Patentierbarkeit
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B. Ausnahmen von der Patentierbarkeit

Übersicht

B. Ausnahmen von der Patentierbarkeit

1.Einleitung

1.1.Änderungen des Artikels 53 EPÜ im Zuge der EPÜ-Revision
1.2.Grundlegende Prinzipien

2.Verstoß gegen die öffentliche Ordnung oder die guten Sitten

2.1.Regel 28 EPÜ
2.1.1Umfang der Ausschlussbestimmung nach Regel 28 c) EPÜ
2.1.2Umfang der Ausschlussbestimmung nach Regel 28 d) EPÜ
2.1.3Zeitpunkt der Prüfung
2.2.Artikel 53 a) EPÜ
2.2.1Zeitpunkt der Prüfung
2.2.2Prüfung eines Einwandes nach Artikel 53 a) EPÜ
a)Unterschiede zur Prüfung nach Regel 28 d) EPÜ
b)Begriff der "guten Sitten" und der "öffentlichen Ordnung"
c)Zustimmung von Spendern

3.Patentierbarkeit biologischer Erfindungen – Artikel 53 b) EPÜ

3.1.Pflanzen und Pflanzensorten
3.1.1Definition von "Pflanzensorte"
3.1.2Grenzen der Patentierbarkeit
3.2.Tiere und Tierarten
3.3.Im Wesentlichen biologische Verfahren
3.3.1Im Wesentlichen biologische Verfahren zur Züchtung von Tieren
3.3.2Im Wesentlichen biologische Verfahren zur Züchtung von Pflanzen
a)G 2/07 und G 1/08
b)Patentierbare technische Verfahren
3.3.3Erzeugnisansprüche auf Pflanzen oder Pflanzenmaterial
a)G 2/12 und G 2/13
b)G 3/19 – dynamische Interpretation des Artikel 53 b) EPÜ
3.4.Mikrobiologische Verfahren und daraus entstehende Produkte
3.4.1Der Begriff "mikrobiologische Verfahren"
3.4.2Mikrobiologische Verfahren in Abgrenzung zu gentechnischen Verfahren

4.Medizinische Methoden

4.1.Einleitung
4.2.Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei der Prüfung, ob ein Verfahren zur chirurgischen oder therapeutischen Behandlung, oder ein Diagnostizierverfahren vorliegt
4.3.Beteiligung eines Mediziners nicht notwendig
4.4.Chirurgische Verfahren
4.4.1Chirurgischer Verfahrensschritt in einem mehrstufigen Verfahren
4.4.2Chirurgische Behandlung nicht auf chirurgische Eingriffe zu therapeutischen Zwecken begrenzt
4.4.3Entwicklung eines neuen Konzepts der "chirurgischen Behandlung"
4.4.4"Chirurgische Behandlung" in der Rechtsprechung im Anschluss an G 1/07
a)Chirurgischer Charakter eines Verfahrensschrittes
b)Bewertung "erheblicher Gesundheitsrisiken"
c)Chirurgischer Schritt als Teil des beanspruchten Verfahrens oder lediglich vorbereitender Schritt?
d)Chirurgischer Schritt nicht im Anspruch, aber von ihm umfasst?
e)Der Vorrichtungsanspruch ist kein verkappter Verfahrensanspruch
f)Nicht patentierbare Ansprüche auf Erzeugnisse, die nur durch einen chirurgischen Schritt hergestellt werden können
4.4.5Wie Verfahren zur chirurgischen Behandlung dem Ausschluss vom Patentschutz nach Artikel 53 c) EPÜ entgehen
a)Anspruch, der keinen chirurgischen Verfahrensschritt umfasst
b)Disclaimer
c)Verfahren zum Betreiben eines Geräts
4.4.6Daten, die während eines chirurgischen Eingriffs gewonnen wurden
4.5.Therapeutische Verfahren
4.5.1Begriff der "therapeutischen Behandlung"
a)Bedeutung des Begriffs
b)Prophylaktische Behandlungen
c)Abgrenzung zur Leistungsförderung
d)Abgrenzung zu kosmetischen Verfahren
e)Beispiele aus der Rechtsprechung
4.5.2Verfahren mit sowohl therapeutischer als auch nicht therapeutischer Wirkung
a)Unweigerliche und untrennbar verknüpfte therapeutische Wirkung des beanspruchten Verfahrens
b)Unterscheidbare therapeutische und nicht therapeutische Wirkungen
4.5.3Disclaimer zur Vermeidung des Ausschlusses vom Patentschutz nach Art. 53 c) EPÜ
4.6.Diagnostische Verfahren
4.6.1Stellungnahme G 1/04 und ihre Anwendung in der Rechtsprechung
a)Was ist ein "Diagnostizierverfahren"?
b)Das Kriterium "am menschlichen oder tierischen Körper vorgenommen"
c)Klarheit eines auf ein Diagnostizierverfahren gerichteten Anspruchs
d)Für die Diagnose relevante Zwischenergebnisse
Neue Entscheidungen
T 0521/24

In T 521/24, betraf die Anmeldung gemäß Hauptantrag ein Verfahren (Ansprüche 1 bis 5) und eine Behandlungsvorrichtung (Anspruch 6) zur kosmetischen Verbesserung der körperlichen Erscheinung sowie der Beschleunigung der nicht therapeutischen Regeneration nach körperlicher Belastung. Durch die körperliche Belastung insbesondere nach einer sportlichen Aktivität kommt es zu einer Ermüdung. Die Beseitigung dieses Ermüdungszustands wird durch das beanspruchte Verfahren beschleunigt. Bei den beanspruchten Verfahren wird mindestens eine Extremität einer Person von einer mit mindestens einer Strömungsmaschine verbundenen Kammer aufgenommen. Die Kammer wird anschließend gasdicht verschlossen. Der Druck in der Kammer wird gegenüber dem atmosphärischen Umgebungsdruck alternierend auf einen negativen Druck abgesenkt und auf einen Überdruck erhöht, wobei die Druckdifferenz zwischen dem negativen Druck und dem Überdruck zwischen 30 mbar und 80 mbar beträgt.

Die Prüfungsabteilung kam zum Schluss, dass die Ansprüche 1 bis 5 des vorliegenden Hauptantrags auf Verfahren zur therapeutischen Behandlung des menschlichen oder tierischen Körpers gerichtet seien. Die Kammer war anderer Meinung. Eine Therapie im Sinne des Art. 53 c) EPÜ ist zwar nicht auf die erfolgreiche Behandlung einer Krankheit begrenzt, sondern kann symptombezogene und präventive Behandlungen umfassen. Allerdings setzt sie einen pathologischen Zustand voraus (Rechtsprechung der Beschwerdekammern des EPA, 11. Aufl. 2025, I.B.4.5.1).

Eine Therapie wird in den Verfahrensansprüchen des Hauptantrags, die ausdrücklich auf die Regeneration nach körperlicher Belastung gerichtet sind, nicht erwähnt. Die ursprüngliche Anmeldung offenbart keine Therapie, die geeignet ist, einen pathologischen Zustand eines Menschen oder Tiers zu behandeln. Der Prüfungsabteilung ist zwar insoweit zuzustimmen, dass die reine Erwähnung einer "nicht therapeutischen" Regeneration nicht ausreicht, eine Therapie aus dem Schutzbereich der Ansprüche auszuschließen. Allerdings ist mit körperlicher Belastung, die laut der Beschreibung typischerweise als Folge einer sportlichen Aktivität auftritt, in der ursprünglichen Anmeldung kein pathologischer Zustand gemeint.

Die Behauptung der Prüfungsabteilung, dass die Verfahrensschritte zwangsläufig therapeutische Effekte erzeugen würden, ist nicht begründet. Solche Effekte sind in der Anmeldung weder erwähnt noch impliziert. Sie sind auch nicht aus anderen sich im Verfahren befindlichen Dokumenten herleitbar. Die Annahme der Prüfungsabteilung, dass die ursprüngliche Anmeldung eine Therapie offenbare, die auf die Anwendung bei schwachen Venen, Lymphgefäßen und Bindegewebe erweitert werde, ist ebenfalls unzutreffend. Die ursprüngliche Anmeldung offenbart lediglich, dass das erfindungsgemäße Verfahren so schonend ist, dass seine Anwendung auch bei schwachen Venen, Lymphgefäßen und Bindegewebe, sowie bei Orangenhaut möglich ist. Eine Therapie zur Behandlung eines pathologischen Zustands ist damit nicht gemeint.

Die Tatsache, dass sich die ursprüngliche Anmeldung auf eine "intermittierende [...] Vakuumtherapie" und eine "intermittierende [...] Kompressionstherapie" bezieht, impliziert auch nicht, dass der Schutzbereich der Verfahrensansprüche eine therapeutische Behandlung des menschlichen oder tierischen Körpers im Sinne des Art. 53 c) EPÜ umfasst. In dieser Hinsicht ist es nicht relevant, dass eventuell Vakuum oder Unterdruck mit bestimmten Parametern zu therapeutischen Zwecken geeignet sind, denn es gibt keinen Hinweis darauf, dass solche Parameter denjenigen entsprechen, die in den Ansprüchen 1 bis 5 definiert sind.

Aus diesen Gründen waren die Ansprüche 1 bis 5 des Hauptantrags nicht von der Patentierbarkeit (Art. 53 c) EPÜ) ausgenommen. Die angefochtene Entscheidung war aufzuheben.

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